Schaltungstechnik von A bis Z — analog, hybrid, digital
Ein transdisziplinäres Hauptwerk · Ingenieurniveau mit
Laien-Einstieg Syntagma Forschung Wien · CC BY 4.0 ·
PROVISORISCH FORSCH ≥0374 (Slug
elektronische-klangerzeugung)
Auslöser: Ray Wilson, Make: Analog Synthesizers. Dieses Werk löst die Prinzipien vom einzelnen Lehrgerät ab und arbeitet sie systematisch, bilingual und mit interaktiven Werkzeugen (T1–T7) auf. Hinweis: Mit
[zu verifizieren]markierte Stellen sind vor einer Veröffentlichung gegen aktuelle Primärquellen zu prüfen.
Dieser Teil erklärt, was das Buch will, wie es zu lesen ist und was zu beachten ist, bevor der Lötkolben heiß wird. Wer sofort bauen will, liest 0.2 und 0.4 und springt dann zu Teil 4.1.
Abb. 1: Die Signalkette
Ein akustisches Instrument erzeugt Klang, indem etwas Physisches schwingt: eine Saite, eine Luftsäule, ein Fell. Der elektronische Klangerzeuger überspringt diesen Schritt. Er baut direkt die Spannungskurve, die ein Lautsprecher am Ende in Luftbewegung übersetzt.
Daraus folgt die Freiheit dieser Technik: Weil die Kurve nicht von einem physischen Körper vorgegeben wird, kann sie beliebig sein. Und daraus folgt zugleich das Problem: Weil sie beliebig sein kann, muss man wissen, welche Kurve man will und wie man sie herstellt. Genau das ist der Gegenstand dieses Buches.
Die Kernfrage lautet durchgehend: Wie erzeugt, formt und steuert man eine Spannung so, dass am Ende ein musikalisch brauchbarer Klang entsteht — und wie baut man die Schaltung, die das tut?
Gegenstand ist die Hardware-Achse: Schaltungstechnik der Klangerzeugung, von den passiven Bauteilen über die Grundschaltungen und Module bis zum fertigen Instrument, den Systemformaten und der eigenen Entwicklung.
Nicht Gegenstand sind: - Mischung, Beschallung und Studiotechnik (eigener Werkstrang), - Lautsprecherbau und Raumakustik (eigener Werkstrang), - Softwaresynthese und DSP-Implementierung als Produkt (eigener Werkstrang; die Berührungspunkte stehen in Teil 7), - Musiktheorie und Komposition.
Die Abgrenzung ist bewusst: Jedes dieser Felder trägt ein eigenes Buch, und die Vermischung würde alle vier verwässern.
Jedes Kapitel hat zwei Eingänge, im Text durchgehend markiert:
Beide Spuren beschreiben denselben Gegenstand auf unterschiedlicher Auflösung. Wer nur bauen will, kommt mit ▶ E und den Abgleichanleitungen weit. Wer entwickeln will, braucht beide.
(A) „Ich will schnell etwas hören.” 0.4 (Sicherheit) → 4.1.1 (555-Minimalnachbau) → 2.6 (Löten) → 4.5 (LFO) → 4.7 (Utilities)
(B) „Ich will einen Synthesizer bauen.” 0.4 → 1 (Grundlagen) → 2 (Bauteile, Messtechnik) → 3 (OpAmp) → 4 (Module) → 5 (Instrument) → 6.1 (Format)
(C) „Ich will eigene Module entwickeln.” Weg B → 8 (Simulation, KiCad, Fertigung) → 8.5 (Open Hardware) → 9 (Kochbuch)
(D) „Ich will verstehen, wie es funktioniert, ohne zu bauen.” 1 (Grundlagen) → 3 (Grundschaltungen) → 4 (Module) → 7 (Hybrid/Digital), begleitend die Tools
Zu mehreren Kapiteln gehören interaktive Rechner, die dieselben Formeln verwenden wie der Text:
| Tool | Thema | Kapitel |
|---|---|---|
| T1 | Signalketten-Visualizer | 4.8, 5.1 |
| T2 | Filter-Rechner (Bode-Plot) | 4.2 |
| T3 | VCO-Stimm-/Exp-Konverter-Rechner | 4.1, 3.3 |
| T4 | Hüllkurven-Simulator | 4.4 |
| T5 | Eurorack-Strom-/HP-Kalkulator | 6.1 |
| T6 | Chip-/Bauteil-Referenz | 2.3, Anhang B |
Sie laufen im Browser, ohne Installation und ohne Internetverbindung.
Ein Überblick, damit die späteren Kapitel einzuordnen sind:
| Epoche | Zeitraum | Prägend | Kapitel |
|---|---|---|---|
| Analog | ca. 1960–1980 | spannungsgesteuerte Module, Moog/Buchla, 1V/Okt | 1–6 |
| Digital | ab ca. 1980 | FM, Sampling, Wavetables, Presets | 7 |
| Hybrid / Renaissance | ab ca. 2000 | analoger Signalweg + digitale Steuerung, Eurorack-DIY-Welle | 6, 7, 8 |
Die Epochen lösen einander nicht ab, sondern lagern sich übereinander. Die analoge Technik ist nicht überholt — sie wird heute bewusst dort eingesetzt, wo ihre Eigenschaften (Sättigungsverhalten, kein Aliasing, unmittelbare Reaktion) gefragt sind. Der Aufbau dieses Buches folgt deshalb der Sachlogik, nicht der Chronologie: erst analog verstehen, dann digital ergänzen.
Dieser Abschnitt ist der einzige im Buch, der nicht übersprungen werden sollte.
Die Regel: Alles, was direkt an 230 V hängt, ist lebensgefährlich.
CMOS-Bauteile (CD4000-Serie, Mikrocontroller, viele moderne ICs) können durch statische Aufladung zerstört werden — oft unbemerkt, mit einem Schaden, der sich erst später als sporadischer Fehler zeigt.
Praktikables Minimum: - Vor dem Anfassen von ICs ein geerdetes Metallteil berühren (Heizkörper, Gehäuse eines geerdeten Geräts). - ICs in ihrer leitfähigen Verpackung lassen, bis sie eingesetzt werden. - Keine Kunststoffunterlagen und keine Wollpullover am Arbeitsplatz. - Für regelmäßiges Arbeiten: ESD-Matte und Handgelenkband.
Der am häufigsten unterschätzte Punkt in einem Buch über Klangerzeugung.
Dieses Werk wird unter freier Lizenz veröffentlicht und ist auf Nachbau und Weiterentwicklung angelegt. Es enthält keine Anwendungen für militärische, waffentechnische oder Überwachungszwecke, und die hier beschriebenen Verfahren sind auch nicht dafür gedacht. Wer sie so verwendet, handelt gegen die erklärte Absicht des Werks.
Was man mitbringen sollte: - Grundrechenarten und die Bereitschaft, eine Formel zu lesen (die Ingenieurspur erklärt jede, die sie verwendet). - Geduld beim Fehlersuchen — der überwiegende Teil der Bauzeit ist Fehlersuche, und das ist normal (5.4.2).
Was man nicht mitbringen muss: - Ein Studium der Elektrotechnik. - Vorhandene Ausrüstung: Teil 2.5 nennt die Anschaffungsreihenfolge, der Einstieg ist mit Multimeter und Lötkolben möglich. - Ein Modularsystem: Der Minimal-Nachbau in 4.1.1 kostet wenige Euro, und Teil 7.6 zeigt, wie sich alle Konzepte kostenlos in Software durchspielen lassen.
Doppelspur. ▶ E baut die Anschauung auf: was Klang physikalisch ist und wie er zur Spannung wird. ▶ I liefert die Größen, mit denen später gerechnet wird. Dieser Teil ist die Voraussetzung für alle Modulkapitel — wer 4.1 ff. liest und stolpert, findet die Begründung meist hier.
Abb. 2: 1V/Oktave-Kennlinie
Schall ist eine Druckschwankung in der Luft. Ein Mikrofon wandelt sie in eine elektrische Spannungsschwankung um; ein Lautsprecher macht daraus wieder Druck. Dazwischen — in Kabeln, Schaltungen, Modulen — ist Klang schlicht eine Spannung, die sich über die Zeit ändert.
Das ist der zentrale Perspektivwechsel dieses Buches: Der Synthesizer erzeugt Klang nicht durch schwingende Saiten oder Luftsäulen, sondern indem er direkt die Spannungskurve baut, die ein Lautsprecher später in Bewegung übersetzt. Alles Weitere ist die Frage, wie man diese Kurve formt.
Der Satz von Fourier besagt: Jede periodische Schwingung lässt sich als Summe von Sinusschwingungen darstellen — einer Grundfrequenz und ganzzahligen Vielfachen (den Obertönen oder Harmonischen).
Die Klangfarbe ist damit nichts anderes als die Verteilung der Obertonamplituden. Die kanonischen Wellenformen unterscheiden sich exakt darin:
| Wellenform | Obertöne | Amplitudenabfall | Klang |
|---|---|---|---|
| Sinus | nur | — | rein, „pfeifend” |
| Dreieck | nur ungerade | weich, hohl | |
| Rechteck | nur ungerade | hohl, klarinettenartig | |
| Sägezahn | alle | hell, „schneidend”, streicherartig |
Warum das für den Synthesebau zählt: Der Sägezahn enthält alle Obertöne und ist deshalb das ideale Rohmaterial für subtraktive Synthese — man kann daraus mit einem Filter alles herausschneiden. Aus einem Sinus lässt sich durch Filtern dagegen nichts gewinnen, was nicht schon drin ist. Das erklärt, warum der Sägezahn die Standard-Wellenform klassischer Synthesizer ist (Teil 4.1, Teil 5.1).
Pulswelle und PWM: Ein Rechteck mit variablem Tastverhältnis (Pulsweite) hat ein Obertonspektrum, das sich mit der Pulsweite ändert — bei 50 % fehlen alle geraden Obertöne, bei anderen Werten kommen sie hinzu. Moduliert man die Pulsweite langsam (PWM), wandert das Spektrum: der charakteristisch „schwebende”, breite Klang (Teil 4.5).
Das Gehör arbeitet über einen enormen Bereich: vom gerade Hörbaren bis zur Schmerzgrenze liegt ein Faktor von etwa einer Million in der Amplitude. Solche Spannen sind linear unhandlich. Das Dezibel ist deshalb ein logarithmisches Verhältnismaß — es beschreibt immer ein Verhältnis, nie einen absoluten Wert (außer man nennt die Bezugsgröße mit, wie bei dBu oder dBV).
Für Spannungen (und alle Feldgrößen):
Für Leistungen:
Der Faktor 20 vs. 10 ist die häufigste Verwechslung. Grund: Leistung geht quadratisch in die Spannung ein (), und .
Merkwerte (Spannung):
| Verhältnis | dB |
|---|---|
| ×1 | 0 dB |
| ×2 (doppelt) | +6 dB |
| ×10 | +20 dB |
| ×0,5 (halb) | −6 dB |
| ×0,1 | −20 dB |
| ×0,707 | −3 dB (Filter-Grenzfrequenz!) |
Praktische Konsequenz: Die −3-dB-Marke bei der Filter-Grenzfrequenz (Teil 4.2) ist der Punkt, an dem die Leistung halbiert ist — die Spannung liegt dort bei .
| Kontext | typischer Pegel | Bemerkung |
|---|---|---|
| Eurorack Audio | ±5 V (10 Vpp) | Teil 6.1.4 |
| Line (professionell) | +4 dBu ≈ 1,23 Veff | Studio |
| Line (Consumer) | −10 dBV ≈ 0,316 Veff | HiFi |
| Mikrofon | ~1–50 mV | Vorverstärker nötig |
| Gitarre (passiv) | ~100–500 mV | hochohmig! |
Die Größenordnung: Ein Eurorack-Ausgang liefert grob das Zehn- bis Zwanzigfache eines Line-Pegels. Deshalb braucht es ein Ausgangsmodul (6.1.4) — direkt ins Mischpult gespeist übersteuert es dort massiv.
Impedanz ist der (frequenzabhängige) Widerstand, den ein Ein- oder Ausgang darstellt. Die Regel der Audiotechnik lautet Spannungsanpassung:
Ausgänge niederohmig (klein), Eingänge hochohmig (groß).
Anschauung: Der Ausgang soll die Spannung „stur” liefern können, ohne dass die angehängte Last sie herunterzieht. Der Eingang soll möglichst wenig Strom ziehen, also die Quelle nicht belasten.
Quelle mit Innenwiderstand an Last bildet einen Spannungsteiler:
Bei geht — kein nennenswerter Verlust. Beispiel Eurorack: Ausgangswiderstand, Eingangswiderstand:
Vernachlässigbar. Hängt man aber zehn Eingänge parallel (passives Multiple), sinkt die Lastimpedanz auf 10 kΩ:
Für Audio noch hinnehmbar. Für Tonhöhen-CV nicht: 9,1 % Spannungsverlust bedeutet bei 1 V/Oktave einen Tonhöhenfehler, der mit der Steuerspannung wächst:
| CV (Soll) | ankommend | Fehler |
|---|---|---|
| 1 V | 0,909 V | 1,1 Halbtöne (109 Cent) |
| 3 V | 2,727 V | 3,3 Halbtöne (327 Cent) |
| 5 V | 4,545 V | 5,5 Halbtöne (545 Cent) |
Das Instrument ist also nicht nur verstimmt, sondern über die Klaviatur zunehmend falsch — es spielt zu kleine Intervalle. Das ist die exakte Begründung für gepufferte Multiples (Teil 6.1.4, 4.7.2).
Der Durchbruch der Modulartechnik (Moog, Buchla, 1960er) war die Einsicht: Wenn jeder Parameter durch eine Spannung gesteuert wird, kann jede Spannungsquelle jeden Parameter steuern. Eine Hüllkurve kann die Lautstärke steuern — oder die Tonhöhe, oder das Filter, oder die Pulsweite. Der Patch-Kabel-Salat ist die sichtbare Form dieser Universalität.
Es gibt zwei Sorten von Verbindungen, die man nie verwechseln darf:
Elektrisch sind beide gleich — dieselben Buchsen, dieselben Kabel. Der Unterschied liegt nur in Geschwindigkeit und Verwendung. Genau deshalb kann man einen LFO in den Audiobereich drehen und aus Modulation Synthese machen (4.5.1).
| Standard | Kennlinie | Verwendung |
|---|---|---|
| 1 V/Oktave | Moog-Linie, Eurorack, De-facto-Standard | |
| Hz/V | Korg/Yamaha (historisch), Buchla teilweise | |
| Gate | Zustand hoch/tief | Note an/aus |
| Trigger | kurzer Impuls | Ereignis (Anschlag) |
Warum 1 V/Oktave gewann: Die Kennlinie ist additiv. Will man zu einer gespielten Note eine Transposition um eine Quinte addieren, addiert man einfach 0,583 V (= 7/12 V). Bei Hz/V müsste man multiplizieren — schaltungstechnisch erheblich aufwendiger. Die Additivität macht Mixer, Offsets und Sequencer trivial (Teil 4.7.2). Die Umsetzung dieser Exponentialkennlinie ist das Thema von Teil 3.3.
Sternmasse (Star Ground). Alle Masseverbindungen laufen zu einem zentralen Punkt, statt sich in einer Kette zu verbinden. Grund: Bei einer Kette fließen die Ströme aller Stufen durch dieselben Leiterbahnabschnitte; deren Widerstand erzeugt Spannungsabfälle, die als Störsignal in empfindliche Stufen einkoppeln.
Praktische Regeln:
Der Rauschabstand (SNR) ist das Verhältnis von Nutzsignal zu Rauschen. Er wird von der Gain-Struktur bestimmt — also davon, wo im Signalweg verstärkt und wo abgeschwächt wird.
Grundregel: So früh wie möglich auf den nötigen Pegel verstärken, danach nicht mehr unnötig abschwächen und wieder anheben.
Jede Abschwächung mit anschließender Verstärkung hebt das Rauschen der dazwischenliegenden Stufen mit an. Das ist der Grund, warum ein OTA-VCA mit starkem Eingangsteiler und nachfolgender Verstärkung mehr rauscht als ein Blackmer-VCA (Teil 4.3.2/4.3.3).
Doppelspur. ▶ E: was man braucht, was es kostet, womit man anfängt. ▶ I: Kenngrößen, Auswahlkriterien und die Fehler, die man an realen Bauteilen erlebt. Abschnitt 2.3 (Schlüssel-ICs) steht als eigenes Kapitel voran.
Der Widerstand begrenzt Strom und teilt Spannung. Für Synth-Bau gilt:
▶ I — Sonderfälle, die zählen:
| Typ | Einsatz | Warum |
|---|---|---|
| Tempco +3300 ppm/K | Exp-Konverter (3.3.1) | kompensiert -Drift |
| Metallfilm 0,1 % | Präzisions-Teiler, Referenzen | Tracking-Genauigkeit |
| Hochohmig 10 M | Integrator-Entladung (3.1.2f) | verhindert Sättigungsdrift |
| Drahtwiderstand | Leistungsanwendungen | im Synth kaum nötig |
Rauschen: Jeder Widerstand rauscht thermisch (Johnson-Nyquist). Das Rauschen wächst mit der Wurzel des Widerstandswerts — hochohmige Schaltungsteile im Signalweg rauschen also messbar mehr. Das ist mit ein Grund für die Impedanzkonvention aus Teil 1.3.
Kondensatoren sind das Bauteil, bei dem die falsche Wahl am häufigsten Funktionsfehler erzeugt:
| Typ | Bereich | Eigenschaften | Einsatz im Synth |
|---|---|---|---|
| Keramik NP0/C0G | pF–nF | sehr stabil, verlustarm | Zeitgebung, HF-Filter |
| Keramik X7R/Y5V | nF–µF | spannungsabhängig!, driftet | nur Abblockung |
| Folie (PET/PP) | nF–µF | stabil, geringer Leckstrom | Zeitgebung, VCO, EG, S&H |
| Elektrolyt (Elko) | µF–mF | gepolt, hoher Leckstrom, altert | Netzteil-Siebung |
| Tantal | µF | kompakt, gepolt | Digital-Versorgung |
Die wichtigste Regel: Für alles Zeitbestimmende — VCO-Integrator, Hüllkurve, S&H-Halteglied, LFO — gehören Folienkondensatoren hinein. Elkos haben Leckströme im nA-Bereich, die lange Hüllkurvenzeiten unmöglich machen (4.4.5) und S&H-Spannungen wegdriften lassen (3.4.2). X7R-Keramik ändert seine Kapazität unter Spannung um bis zu Dutzende Prozent — ein damit gebauter VCO stimmt nie.
Für den Exponentialkonverter (3.3.1) und das Ladder-Filter braucht man gepaarte Transistoren:
Analoge Synth-Schaltungen brauchen eine symmetrische Versorgung, damit Signale um 0 V herum schwingen können (bipolare CV, Audio). Standard im Eurorack: ±12 V, optional +5 V (6.1.2).
Erzeugungswege:
| Weg | Prinzip | Anmerkung |
|---|---|---|
| Trafo + Gleichrichter + Linearregler | klassisch (7812/7912) | brummarm, ineffizient, warm |
| Schaltnetzteil (Meanwell o. ä.) | getaktet | effizient, kompakt; HF-Störungen möglich → gute Siebung nötig |
| Ladungspumpe/Inverter | aus +12 V die −12 V erzeugen | z. B. ICL7660/LT1054; nur für kleine Ströme |
| Bench-Netzteil | Labornetzteil | zum Entwickeln ideal (Strombegrenzung!) |
▶ E — Für die Werkbank: Ein Labornetzteil mit einstellbarer Strombegrenzung ist die wichtigste Anschaffung nach dem Lötkolben. Bei einem Kurzschluss im Prototyp begrenzt es den Strom, statt Bauteile zu verdampfen. Ideal: zwei getrennte Kanäle (für ±12 V) oder ein Doppelnetzteil.
Siehe auch 1.5.2. Praxisregeln für jedes selbstgebaute Modul:
| Kenngröße | Bedeutung | Für Synth-DIY |
|---|---|---|
| Bandbreite | max. Frequenz | 20–50 MHz reicht weit; Audio braucht wenig, Digitalflanken mehr |
| Kanäle | gleichzeitige Signale | 2 Kanäle Minimum (Eingang vs. Ausgang vergleichen), 4 komfortabel |
| Abtastrate | Samples/s | Faustregel ≥ 5–10× Bandbreite |
| Speichertiefe | Länge der Aufzeichnung | wichtig für langsame Hüllkurven bei feiner Auflösung |
▶ E — DC-Kopplung nicht vergessen. Steuerspannungen sind Gleichspannungen. Steht der Tastkopf-Eingang auf AC, verschwindet der DC-Anteil und Hüllkurven sehen falsch aus. Der häufigste Anfängerfehler beim Messen von CV.
Tastkopf 10:1 verwenden: geringere Belastung der Schaltung, höhere Bandbreite; dafür Anzeige ×10 beachten und den Tastkopf am Kalibrierausgang abgleichen (Trimmer im Stecker).
| Frage | Instrument | Vorgehen |
|---|---|---|
| „Kommt Strom an?” | DMM | Rails an mehreren Punkten messen |
| „Stimmt der Ton?” | Frequenzzähler/Stimmgerät | VCO-Abgleich (4.1.4) |
| „Wie sieht die Welle aus?” | Oszilloskop | Kurvenform, Reset-Sauberkeit |
| „Wo bricht das Signal ab?” | Oszilloskop | Signalverfolgung Stufe für Stufe |
| „Ist die Lötstelle gut?” | DMM Durchgang | vor dem Einschalten prüfen |
| „Warum brummt es?” | Oszilloskop | 50-Hz-Anteil sichtbar machen (1.5) |
Bleifrei vs. bleihaltig: Bleihaltiges Lot (Sn60Pb40/Sn63Pb37) ist deutlich einfacher zu verarbeiten und für Hobby/Reparatur in der EU erlaubt (RoHS betrifft das Inverkehrbringen von Geräten, nicht den Eigenbedarf) [zu verifizieren: aktuelle Rechtslage EU/AT für Hobbyanwendung]. Wer verkauft, muss bleifrei bauen.
Praxis: Analoge Präzisionsschaltungen (Exp-Konverter) verhalten sich auf dem Steckbrett oft merklich schlechter als auf einer Platine — Streukapazitäten und Kontaktrauschen. Wer dort scheitert, hat nicht zwingend einen Denkfehler gemacht (2.7 Fehlersuche).
▶ E — Sinnvoller Grundvorrat:
| Kategorie | Empfehlung |
|---|---|
| Widerstände | E24-Sortiment 10 Ω–1 MΩ, Metallschicht 1 % |
| Kondensatoren | Folie 1 nF–1 µF, Keramik 100 nF (Abblockung), Elkos 10/47/100 µF |
| OpAmps | 10× TL072, 5× TL074 |
| Timer/Logik | 5× TL555/NE555, 3× CD40106, 3× CD4066 |
| OTA | 3× LM13700 |
| Transistoren | 20× BC547, 20× BC557, 1× THAT300 o. Ä. |
| Dioden | 50× 1N4148, 10× 1N5817 |
| Buchsen/Potis | 3,5-mm-Klinkenbuchsen, 9-mm-Potis lin 100 k |
Bezugsquellen (Europa): Reichelt, Mouser, Digikey, TME, Farnell; für Synth-spezifisches Thonk (UK), Befaco (ES), Modular Addict (US) [zu verifizieren: aktuelle Verfügbarkeit, Versandbedingungen nach AT].
Surplus/Restposten: günstig, aber Vorsicht bei „NOS”-Klassikerchips (Fälschungsrisiko, 2.3.7).
Doppelspur. ▶ E erklärt, wofür jeder Chip da ist und wann man ihn greift. ▶ I gibt Innenleben, Grenzdaten und Dimensionierungsregeln. Dieses Kapitel ist Nachschlagewerk und Landkarte zugleich — die Chip-Steckbriefe in Anhang B vertiefen einzeln.
Abb. 5: Exponentialkonverter
Der analoge Synthesizer wirkt komplex, ruht aber auf einer kleinen Zahl wiederkehrender Bausteine. Fünf Funktionsklassen genügen für praktisch jedes klassische Modul:
| Klasse | Aufgabe | Leitchip |
|---|---|---|
| Timer/Taktgeber | Rechteck, Takt, einfacher LFO/VCO | NE555 |
| CMOS-Logik | Zählen, Teilen, Schalten, digitale Wellenform | CD4000-Serie |
| OpAmp | Verstärken, Rechnen, Puffern, Filtern | TL07x, TL08x |
| OTA | Spannungssteuerung von Verstärkung/Filter | LM13700 |
| Dediziert | ganzer VCO/VCF/VCA/EG im Chip | CEM/SSI-Familie |
Dazu kommen zwei Spezialisten: BBD (Eimerketten für analoge Delays/Chorus) und der 4046 PLL (Frequenzvervielfachung, Sync). Wer diese kennt, liest 90 % aller DIY-Schaltpläne flüssig.
▶ E. Der 555 ist der Einstiegs-Chip schlechthin: acht Pins, seit 1972, für Cent-Beträge überall verfügbar. Er erzeugt Rechteckschwingungen (astabil) oder Einzelimpulse (monostabil). Im Synth taugt er für Takt, einfachen Clock-LFO, Rausch-Trigger und den ersten hörbaren Ton (Teil 4.1). Für tonhöhengenaue Musik ist er zu ungenau — aber unschlagbar zum Lernen und für Utility-Aufgaben.
▶ I. Astabile Frequenz:
Grenzen: Versorgungsabhängige Schwellen (1/3 und 2/3 Vcc), Temperaturdrift im Prozent-Bereich, Ausgangsstrom bis ~200 mA (die bipolare Version zieht Strompeaks auf der Rail — bei empfindlichen Synth-Schaltungen die CMOS-Variante 7555/TLC555 nehmen, geringere Störung, höhere Frequenz, µA-Verbrauch). Duty von exakt 50 % nur mit Diode über R2 oder Sonderbeschaltung.
▶ E. Die CD4000-Familie sind digitale Logikchips, die im Synth zweckentfremdet zu Klangbausteinen werden. Sie laufen von 3–15 V (ideal für die ±12-V-Welt), brauchen fast keinen Strom und sind billig. Wichtigste Vertreter:
▶ I. Schmitt-Oszillator (40106): $ f $ (Hysterese-abhängig, Näherung). Beachte: CMOS-Eingänge sind hochohmig und statikempfindlich (ESD-Schutz, Teil 0.4); unbenutzte Eingänge immer auf definiertes Potenzial legen, sonst Oszillation und Stromverbrauch. Der 4066-Schalter hat einen Bahnwiderstand von ~80–300 Ω (spannungsabhängig) — bei Audiopfaden mit niedriger Lastimpedanz als Fehlerquelle mitdenken.
▶ E. Der OpAmp ist der Universalrechner der Analogtechnik: verstärken, mischen, puffern, filtern, vergleichen. Der TL072 (dual) / TL074 (quad) ist der De-facto-Standard im Synth-DIY: JFET-Eingang (hochohmig, gut für CV), rauscharm genug, billig, gutmütig. Für den Einstieg reicht ein Vorrat TL072/TL074.
▶ I. Auswahlkriterien, wenn der TL07x nicht genügt:
| Kriterium | TL07x | Alternative |
|---|---|---|
| Offset/Präzision (Exp-Konverter, Referenz) | mäßig | OP07, TL051, MCP6xx |
| Rail-to-Rail (Single-Supply-Digitalmodule) | nein | MCP600x, TLV23xx |
| sehr rauscharm (Audiopfad Studio) | ok | NE5532, OPA2134, LM4562 |
| Slew Rate (schnelle Wellenformen) | 13 V/µs | OPA-Serie |
Faustregel: TL07x als Default, gezielt tauschen nur wo eine Kenngröße real limitiert. Die Grundschaltungen dazu in Teil 3.
▶ E. Der OTA ist der Chip, der Spannungssteuerung erst möglich macht. Ein normaler OpAmp hat feste Verstärkung (durch Widerstände gesetzt). Beim OTA steuert ein Strom (, Amplifier Bias Current) die Verstärkung — und diesen Strom kann man aus einer Steuerspannung erzeugen. Damit baut man VCA (spannungsgesteuerte Lautstärke) und VCF (spannungsgesteuertes Filter). Der LM13700 (dual, mit Darlington-Puffern) ist der zugängliche Klassiker; Vorgänger LM13600, verwandt CA3080 (single).
▶ I. Die Transkonduktanz ist stromgesteuert:
Kernpunkte der Dimensionierung: - Linearer Eingangsbereich nur ~±20–30 mV (Differenzpaar). Größere Signale müssen heruntergeteilt (Eingangsteiler ~1/100) und am Ausgang wieder verstärkt werden, sonst Klirr. Die eingebauten Linearisierungsdioden (Pin-Diodenanschlüsse) erweitern den Bereich. - typ. 0–2 mA; Steuerung über Serienwiderstand zur CV oder über einen Exp-Konverter (für 1V/Okt-Filtertracking). - Die Darlington-Puffer im 13700 dienen als Impedanzwandler am Stromausgang.
Einsatz: VCA (4.3), OTA-Filter/State-Variable (4.2), auch als steuerbarer LFO/VCO möglich. Nachbauten: AS3280/V3280 (Alfa RPAR) als CA3080-Ersatz, LM13700 selbst noch in Produktion [zu verifizieren].
▶ E. In den späten 1970ern integrierten Firmen wie Curtis (CEM) und SSM ganze Module in einen Chip: einen kompletten VCO, VCF oder VCA mit interner Temperaturkompensation. Sie stecken in den Klassikern (Prophet-5, SH-101, Juno, Oberheim). Lange nur gebraucht und teuer — heute liefern Alfa RPAR (AS-Serie) und Cool Audio (V-Serie) pinkompatible Nachbauten neu.
| Original | Funktion | Aktueller Nachbau |
|---|---|---|
| CEM3340 | VCO | AS3340 / V3340 |
| CEM3320 | VCF | AS3320 / V3320 |
| CEM3360 / SSM2164 | dual VCA | AS3360 / V3360, THAT2180 |
| CEM3310 / SSM2056 | EG (Hüllkurve) | AS3310 / V3310 |
| SSM2044 | VCF (4-Pol LP) | V2044 |
▶ I. Vorteil: wenig externe Bauteile, stabiles Tracking, kompaktes Layout. Nachteil: weniger Lerntiefe („Blackbox”), Verfügbarkeit/Preis von Nachbau-Chargen schwankt, Datenblatt-Feinheiten (Trimmpunkte, Referenzströme) müssen sitzen. Entscheidung Chip vs. diskret wie in 4.1.3: Nachbau/Stabilität → CEM/AS; Verstehen/Modding → diskret oder OTA-basiert.
▶ E — BBD (Bucket-Brigade Device). Eimerketten-Speicher: das analoge Signal wird von Kondensator zu Kondensator „geschöpft” und dabei verzögert. Das ist die Seele analoger Delays, Chorus, Flanger vor der Digitaltechnik (MN3005/MN3007/MN3207, Reticon). Warmer, leicht dunkler Klang, weil jede Stufe etwas Rauschen und Höhenverlust addiert. Steuert man die Taktrate, ändert sich die Verzögerungszeit — Grundlage von Chorus/Flanger.
▶ I. Verzögerung $ t_d = $ (N = Stufenzahl). Braucht Anti-Aliasing-Filter vor und Rekonstruktions-Tiefpass nach der Kette, plus Kompander (NE570/571) gegen das hohe Grundrauschen. Taktchip früher MN3101; Nachbauten der Panasonic-BBDs von Cool Audio (V3205 etc.) und Xvive [zu verifizieren].
▶ E — PLL 4046. Phase-Locked Loop: hält einen internen VCO auf ein Vielfaches/Verhältnis eines Referenztakts. Im Synth für Frequenzvervielfachung, Sub-Oktaven, harte Sync-Effekte und Taktrückgewinnung.
▶ I. Kernblöcke: Phasenkomparator (PC1 XOR / PC2 flankengetriggert), interner VCO (R/C-gesetzt), Schleifenfilter. Wahl PC1 vs. PC2 bestimmt Lock-Verhalten und Störunterdrückung; Schleifenfilter setzt Einschwingzeit vs. Jitter.
Doppelspur. ▶ E: die zwei Regeln, mit denen man 90 % aller OpAmp-Schaltungen liest. ▶ I: die Dimensionierung, die Grenzen der Idealisierung und die synthesespezifischen Schaltungen (Exponentialkonverter, OTA). Dieses Kapitel ist das Rechenfundament für Teil 4.
Abb. 5: Exponentialkonverter
Ein OpAmp hat zwei Eingänge (+ und −) und einen Ausgang. Er verstärkt die Differenz zwischen den Eingängen — und zwar extrem stark (Leerlaufverstärkung typisch 100.000-fach). Praktisch nutzt man ihn nie ohne Gegenkopplung: ein Teil des Ausgangs wird auf den −Eingang zurückgeführt.
Mit Gegenkopplung gelten zwei Regeln, mit denen sich fast jede Schaltung ohne Rechnung verstehen lässt:
Regel 1: Der OpAmp stellt seinen Ausgang so ein, dass beide Eingänge dieselbe Spannung haben. Regel 2: In die Eingänge fließt kein Strom.
Regel 1 ist der Kern: Der Verstärker „tut alles”, damit die Differenz null wird. Regel 2 folgt aus dem sehr hohen Eingangswiderstand.
(a) Impedanzwandler (Spannungsfolger). Ausgang direkt auf −Eingang. Verstärkung = 1. Nutzen: hochohmig rein, niederohmig raus. Das ist der gepufferte Multiple aus Teil 4.7.2 und der Ausgangspuffer jeder Hüllkurve (4.4.3).
(b) Nichtinvertierender Verstärker.
Signal an +Eingang, Teiler von Ausgang über auf −Eingang, von dort nach Masse. Verstärkung immer ≥ 1, Phase bleibt erhalten.
(c) Invertierender Verstärker.
Signal über auf den −Eingang, vom Ausgang zurück, +Eingang an Masse. Der −Eingang liegt dadurch auf virtueller Masse (Regel 1: er muss auf 0 V liegen, weil + auf 0 V liegt). Verstärkung kann kleiner als 1 sein; das Signal wird invertiert.
(d) Summierer (Mixer). Mehrere Eingänge über je einen Widerstand auf die virtuelle Masse:
Weil alle Eingänge auf virtueller Masse landen, beeinflussen sie sich nicht gegenseitig — das ist der Grund, warum der invertierende Summierer der Standard-Mixer ist (Teil 4.7.2). Mit gleichen Widerständen wird daraus die einfache Summe. Für DC-gekoppelte CV-Mixer keinen Koppelkondensator einbauen (häufiger Fehler, 4.7.2d).
(e) Differenzverstärker. Verstärkt die Differenz zweier Signale und unterdrückt den gemeinsamen Anteil. Grundlage symmetrischer Ein-/Ausgänge (Teil 6.1.4, Ausgangsmodule).
(f) Integrator. Kondensator statt im Rückkopplungszweig:
Bei konstanter Eingangsspannung ergibt das eine lineare Rampe. Das ist der Kern des VCO (4.1.2) und des LFO (4.5.2). Praxishinweis: Ein reiner Integrator läuft durch kleinste Offsets langsam in die Sättigung; parallel zum Kondensator gehört ein sehr großer Widerstand (10 M) oder eine aktive Rücksetzung.
(g) Differenzierer. Kondensator im Eingangszweig — Ausgang proportional zur Änderungsrate. Im Synth selten als Rechenglied, oft als Flankendetektor: aus einem Gate wird ein Trigger.
Die goldenen Regeln gelten näherungsweise. Für Synth-Schaltungen sind vier reale Grenzen relevant:
| Kenngröße | Bedeutung | Symptom bei Verletzung |
|---|---|---|
| Offsetspannung | Eingänge nicht exakt gleich | Integrator driftet, VCA schließt nicht ganz |
| Eingangs-Bias-Strom | doch ein kleiner Strom | Hüllkurven-Kondensator entlädt sich, lange Zeiten unerreichbar (4.4.5) |
| Slew Rate | max. Anstiegsgeschwindigkeit | steile Rechteckflanken werden „schräg”, Höhen fehlen |
| Aussteuerbarkeit | Ausgang erreicht Rails nicht ganz | Clipping vor der erwarteten Spannung |
Der TL07x hat FET-Eingänge und daher sehr kleine Bias-Ströme — genau deshalb ist er der Standard für Hüllkurven und CV-Pfade (Teil 2.3.3).
Ohne Gegenkopplung wird der OpAmp zum Komparator: Er vergleicht die Eingänge und kippt den Ausgang auf eine der Versorgungsspannungen. Aus einer stetigen Spannung wird ein Schaltzustand — die Brücke zwischen Analog und Digital.
Anwendungen im Synth: Rechteckerzeugung aus dem Sägezahn (4.1.2), Gate aus CV (4.7.2g), Umschaltpunkt der Hüllkurve (4.4.3), Reset im VCO.
Ein reiner Komparator kippt genau an der Schwelle. Liegt das Eingangssignal nahe der Schwelle und rauscht ein wenig, kippt der Ausgang mehrfach hin und her — das berüchtigte „Prellen” oder Schwingen an der Schaltschwelle.
Die Lösung ist der Schmitt-Trigger: eine Mitkopplung vom Ausgang auf den +Eingang. Dadurch entstehen zwei Schwellen — eine zum Einschalten, eine niedrigere zum Ausschalten. Die Differenz ist die Hysterese.
Faustregel: Die Hysterese muss deutlich größer sein als das Rauschen auf dem Eingangssignal. Zu klein → Prellen; zu groß → das Signal erreicht die zweite Schwelle womöglich nie und der Ausgang kippt gar nicht mehr.
Der CD40106 (Teil 2.3.2) ist ein Schmitt-Trigger-Inverter mit fest eingebauter Hysterese — deshalb genügen dort ein R und ein C für einen kompletten Oszillator.
Teil 4.1.2 hat die Physik hergeleitet: Der Kollektorstrom eines Bipolartransistors folgt der Shockley-Gleichung
Der praktische Aufbau macht daraus eine brauchbare Steuerschaltung:
Setzt man den Transistor in den Rückkopplungszweig eines OpAmp, entsteht die Umkehrfunktion: aus einem Strom wird eine logarithmische Spannung. Anwendung: Pegelmessung (VU/dB-Anzeige), Kompressoren und Hüllkurvenfolger.
Der Abgleichablauf steht in 4.1.4. Die drei häufigsten Fehler:
Eine einfache Diode gleichrichtet erst ab ihrer Flussspannung (~0,6 V) — kleine Signale verschwinden. Nimmt man die Diode in die Gegenkopplung eines OpAmp, wird die Flussspannung durch die Verstärkung „wegregelt”: Der Gleichrichter arbeitet ab wenigen Millivolt.
Anwendungen: Hüllkurvenfolger (aus Audio wird eine Steuerspannung), Dreieck-aus-Sägezahn (4.1.2), Betragsbildung im Wellenformer.
Der Kern (siehe 4.7.2f) besteht aus drei Teilen:
Die Droop-Rechnung. Der Spannungsabfall pro Zeit ergibt sich aus dem Gesamt-Leckstrom:
Beispiel: (guter FET-OpAmp plus Schalter-Restströme), :
Das ist für musikalische Zwecke vernachlässigbar. Bei 1 V/Oktave entspricht 1 mV/s einer Drift von 1,2 Cent pro Sekunde — praktisch unhörbar.
Mit einem billigen Bipolar-OpAmp (Bias-Strom 100 nA statt 100 pA) wären es dagegen 1 V/s, also 1200 Cent/s — eine volle Oktave pro Sekunde. Die gehaltene Tonhöhe würde regelrecht davonlaufen. Genau deshalb ist die Bauteilwahl hier nicht optional, sondern funktionsentscheidend.
Der reguläre OpAmp liefert eine Spannung am Ausgang und hat feste, durch Widerstände gesetzte Verstärkung. Der OTA (Teil 2.3.4) liefert einen Strom und hat eine durch einen Strom steuerbare Verstärkung:
Damit ist er der universelle Baustein für alles Spannungsgesteuerte: VCA (4.3.2), VCF (4.2.3b), steuerbarer LFO.
Doppelspur. Dieses Kapitel hat zwei Eingänge. Die Einsteigerspur (▶ E) erklärt, was passiert und warum, mit Bildern und einem minimalen Nachbau. Die Ingenieurspur (▶ I) rechnet die Dimensionierung durch und benennt die Grenzen. Wer nur bauen will, folgt E und überspringt die I-Blöcke; wer entwickeln will, liest beides.
Abb. 2: 1V/Oktave-Kennlinie
Der VCO ist der Tongenerator des analogen Synthesizers. Er steht am Anfang der Signalkette:
[VCO] → [VCF] → [VCA] → Ausgang
↑ ↑ ↑
CV CV CV / Hüllkurve
Er wandelt eine Steuerspannung (Control Voltage, CV) in eine Frequenz um. Die Konvention der westlichen Modularwelt lautet 1 Volt pro Oktave (1V/Okt): Erhöht man die Steuerspannung um genau 1 V, verdoppelt sich die Frequenz — der Ton springt eine Oktave höher. Diese eine Konvention ist der Grund, warum Module verschiedener Hersteller zusammenspielen. (Buchla und einige japanische Systeme nutzen Hz/V, dazu Teil 6.2.)
Ein Oszillator erzeugt eine periodische Schwingung: eine Spannung, die sich immer wieder gleich wiederholt. Wie oft sie sich pro Sekunde wiederholt, ist die Frequenz (in Hertz). 440 Wiederholungen pro Sekunde hören wir als Kammerton a′.
Die Form einer Periode bestimmt die Klangfarbe:
Kern-Idee des analogen VCO: Man lädt einen Kondensator mit einem konstanten Strom. Die Spannung am Kondensator steigt dann linear an — das ergibt von selbst eine Sägezahn- bzw. Dreiecksflanke. Ist eine Schwelle erreicht, entlädt eine Schaltung den Kondensator schlagartig, und das Spiel beginnt von vorn. Je größer der Ladestrom, desto schneller ist die Schwelle erreicht, desto höher die Frequenz. Steuert man diesen Strom mit einer Spannung, hat man einen spannungsgesteuerten Oszillator.
Der einfachste hörbare Einstieg braucht einen einzigen Chip, den NE555 (Timer-IC, seit 1972, Cent-Artikel):
+9V
│
┌┴┐ R1
└┬┘
├──────── Pin 7 (Discharge)
┌┴┐ R2
└┬┘
├──────── Pin 6 (Threshold) ─┬─ Pin 2 (Trigger)
│ │
═╪═ C1 │
│ OUT ── Pin 3 → Lautsprecher (über C)
GND
Mit R1 = 1 kΩ, R2 = 10 kΩ, C1 = 100 nF erzeugt der 555 im astabilen Modus einen Rechteckton im hörbaren Bereich. Tauscht man R2 gegen ein Potentiometer, kann man die Tonhöhe von Hand fahren. Das ist noch kein echter VCO im 1V/Okt-Sinn (der 555 reagiert nicht exponentiell auf Spannung), aber es macht das Prinzip „Bauteilwert → Frequenz” in fünf Minuten hörbar. Wer den Ton hört, hat den Einstiegspunkt.
Warum der 555 kein guter Musik-VCO ist: Seine Frequenz hängt linear von Widerstand und Kapazität ab (f ≈ 1{,}44 / ((R1+2·R2)·C)), nicht exponentiell von einer Steuerspannung. Für Töne, die unserem Oktav-Hören folgen, brauchen wir die Exponentialkennlinie — siehe I-Spur.
Unser Gehör ist logarithmisch: gleiche musikalische Intervalle entsprechen gleichen Frequenzverhältnissen, nicht gleichen Frequenzdifferenzen. Eine Oktave ist immer Faktor 2, unabhängig von der Ausgangsfrequenz (110→220 Hz ist eine Oktave, ebenso 4400→8800 Hz).
Damit eine lineare Steuerspannung (bequem zu erzeugen und zu addieren) eine musikalisch lineare Tonhöhe ergibt, muss die Kennlinie exponentiell sein:
Jede zusätzliche Volt verdoppelt f. Das ist die formale Definition von 1V/Oktave. Genau diese Exponentialfunktion muss die Schaltung physikalisch herstellen.
Der Glücksfall der Halbleiterphysik: Der Kollektorstrom eines Bipolartransistors hängt exponentiell von der Basis-Emitter-Spannung ab (Shockley-Gleichung):
mit der Temperaturspannung bei 300 K. Legt man also eine linear ansteigende Spannung an die Basis, steigt der Kollektorstrom exponentiell — und dieser Strom lädt den Timing-Kondensator. Damit ist die 1V/Okt-Kennlinie hergestellt.
Zwei Probleme, zwei kanonische Lösungen:
Skalierung. Aus mV folgt: für einen Faktor 2 (eine Oktave) braucht man an der Basis nur mV, nicht 1 V. Ein Eingangsteiler (Verstärkung ≈ 0{,}0179) bringt die 1 V/Okt auf diesen Wert. Der Teiler wird mit einem Trimmer als Scale-/Tracking-Abgleich ausgeführt (Ziel: exakt 1{,}000 V/Okt über mehrere Oktaven).
Temperaturdrift. ist proportional zur absoluten Temperatur . Erwärmt sich der Transistor, verschiebt sich die Skalierung — der VCO „läuft weg”. Zwei Gegenmaßnahmen sind Standard:
Der exponentiell erzeugte Strom lädt einen Kondensator über einen OpAmp-Integrator. Die Ausgangsspannung ist die Rampe:
Ein Komparator überwacht die Rampe. Erreicht sie eine feste Schwelle, entlädt ein Schalter (früher FET, oft CD4066 oder ein diskreter Reset) den Kondensator schlagartig — die Rampe springt zurück. Die Periodendauer ist:
Da exponentiell von der CV abhängt, ist es auch. Der Kern-Trick des ganzen Kapitels steckt in dieser Zeile.
Aus dem Sägezahn werden die übrigen Formen abgeleitet, statt sie separat zu erzeugen:
Historisch gab es dedizierte VCO-ICs, die den ganzen Kern integrierten:
| Chip | Herkunft | Status | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| CEM3340 | Curtis, 1979 | Nachbau verfügbar (AS3340 v. Alfa RPAR, Cool Audio) | Klassiker: Saw/Tri/Puls, Sync, Lin-/Exp-FM, interner Tempco |
| SSM2030 / SSM2033 | SSM, 1980er | Original selten, Konzept in Nachbauten | frühe Prophet-/Synth-Klassiker |
| AS3340 | Alfa RPAR (LV) | aktuell in Produktion [zu verifizieren] | pinkompatibler CEM3340-Nachbau, Cent- bis Euro-Bereich |
| XVCO / diskret | diverse DIY | offen | volle Kontrolle, mehr Abgleich |
Entscheidungslogik: Für Nachbau und stabiles Tracking mit wenig Abgleich → AS3340. Für Lerntiefe und „von Grund auf verstehen” → diskreter Aufbau mit Matched Pair + Tempco. Beide Wege werden in Teil 5.2 an einem durchgerechneten Referenz-VCO gezeigt.
Ohne Abgleich stimmt kein analoger VCO. Der Ablauf (Reihenfolge ist wichtig, weil sich die Schritte gegenseitig beeinflussen):
Messtechnik: Frequenzzähler oder Stimmgerät für Tracking; Oszilloskop für Wellenform und Reset-Sauberkeit; für PWM ein zweiter Kanal auf der Modulationsquelle (Teil 2.5).
[zu verifizieren] vor Veröffentlichung: aktuelle Verfügbarkeit/Bezeichnung AS3340 & Tempco-Widerstände; konkrete Repo-Links der genannten DIY-Projekte; THAT300/320-Aktualität. Web-Audit gemäß REGEL Lehrbuch-Verhältnis.
Doppelspur. ▶ E: was ein Filter mit Klang macht und die vier Topologien im Überblick. ▶ I: Übertragungsfunktion, Polordnung, Resonanz/Selbstoszillation, spannungsgesteuertes Cutoff-Tracking.
Abb. 4: Filter-Flankensteilheit
Das VCF sitzt hinter dem VCO und formt die Klangfarbe, indem es Obertöne wegnimmt oder betont:
[VCO] → [VCF] → [VCA]
↑
Cutoff-CV (Hüllkurve, LFO, Keyboard)
Im subtraktiven Synthese-Paradigma ist das Filter das entscheidende klangprägende Modul. Der VCO liefert obertonreiches Rohmaterial (Sägezahn, Rechteck), das Filter meißelt daraus den Klang.
Ein Filter lässt bestimmte Frequenzen durch und dämpft andere. Vier Grundtypen:
Zwei Regler prägen jeden Filterklang:
Spannungssteuerung: Legt man das Cutoff auf eine CV (statt nur auf ein Poti), kann eine Hüllkurve den Klang über die Zeit öffnen/schließen (das „wah”/„zwitschernde” Filter-Sweep) oder ein LFO ihn periodisch modulieren.
Die Flankensteilheit gibt an, wie stark oberhalb (LP) der Cutoff-Frequenz gedämpft wird, gemessen in dB pro Oktave:
Übertragungsfunktion eines Tiefpasses erster Ordnung:
Bei liegt die Verstärkung bei −3 dB. Für höhere Ordnung werden mehrere solcher Stufen kaskadiert; die Resonanz entsteht durch Rückkopplung vom Ausgang der letzten Stufe zurück auf den Eingang.
▶ E. Vier hintereinander geschaltete Tiefpass-Stufen (die „Leiter” aus Transistorpaaren) plus globale Rückkopplung. Der weiche, satte, leicht komprimierende Klang, der „Moog” definiert. 24 dB/Okt.
▶ I. Cutoff wird über den Steuerstrom durch die Transistor-Differenzpaare gesetzt (temperaturabhängig → Tempco/Tracking wie beim VCO, 4.1.2). Resonanz per rückgekoppelter Schleife; bei hoher Resonanz Selbstoszillation. Charakteristisch: Bass-Verlust bei hoher Resonanz (die Rückkopplung entzieht Grundenergie) — Teil der „Moog”-Signatur. Diskret nachbaubar; als IC-Nachbau in diversen DIY-Modulen.
▶ E. Liefert LP, HP und BP gleichzeitig aus einer Schaltung (getrennte Ausgänge). Sehr flexibel, sauber, gut steuerbar. 12 dB/Okt pro Ausgang. Basis vieler „cleaner” Synth-Filter (Oberheim SEM).
▶ I. Zwei Integratoren in einer Schleife plus Summierer. Cutoff über beide Integrator-Zeitkonstanten (mit OTAs spannungssteuerbar), Resonanz über den Dämpfungspfad (). Vorteil: Cutoff und Q weitgehend entkoppelt einstellbar. Der SEM-Klang: weniger „aggressiv” als Ladder, mehr „luftig”.
▶ E. Einfache, robuste 2-Pol-Topologie mit einem OpAmp. Im MS-20 (Korg) als knurrig-aggressives Filter berühmt (dort mit besonderer Resonanz-Rückkopplung).
▶ I. Ein OpAmp mit zwei R und zwei C; Cutoff über die RC-Glieder (spannungsgesteuert via OTA oder LDR/Vactrol im MS-20-Stil). Resonanz über positive Rückkopplung; das MS-20-Filter clippt bei hoher Resonanz charakteristisch (Verzerrung als Klangmerkmal).
▶ E. Variante der Ladder mit Dioden statt Transistoren als Steuerelemente (EMS VCS3, TB-303, Roland-Klassiker). Kratziger, „flüssiger”, eigenwilliger Klang — die Seele des Acid-Sounds (303).
▶ I. Dioden als spannungsgesteuerte Widerstände in der Leiter. Aufwendiger im Abgleich, nichtlineares Verhalten bei Resonanz — gerade das macht den 303-Charakter (schreiende, „squelchy” Resonanz). Der 303-Filter ist deshalb Gegenstand zahlreicher DIY-Klone.
| Topologie | Steilheit | Klang | Ausgänge | Klassiker | Aufwand |
|---|---|---|---|---|---|
| Transistor-Ladder | 24 dB/Okt | satt, komprimierend, Bass-Loss@Res | LP | Minimoog | mittel |
| State-Variable | 12 dB/Okt | sauber, luftig, flexibel | LP/HP/BP | SEM | mittel |
| Sallen-Key | 12 dB/Okt | knurrig, verzerrt@Res | LP/HP | MS-20 | niedrig |
| Diodenleiter | 18–24 dB/Okt | kratzig, squelchy | LP | 303, VCS3 | hoch |
▶ I. Damit ein resonantes Filter über die Klaviatur „mitspielt” (bei Selbstoszillation als spielbare Tonquelle, oder um die Klangfarbe pro Note konstant zu halten), muss das Cutoff wie der VCO exponentiell auf die CV reagieren. Praktisch heißt das: dasselbe 1V/Okt-Problem wie in 4.1 — Exp-Konverter + Tempco am Filter-Steuereingang. Viele Filter bieten einen Tracking-Regler (0–100 %), der einstellt, wie stark die Tonhöhe das Cutoff mitzieht.
Bei maximaler Resonanz kippt das Filter in Eigenschwingung und liefert einen (nahezu) reinen Sinus auf der Cutoff-Frequenz. Mit gutem Tracking wird das Filter damit zum zweiten, spielbaren Oszillator — eine übliche Technik, um einem Patch eine reine Sinus-Stimme hinzuzufügen (z. B. Kick-Drums aus dem selbstoszillierenden Filter).
Doppelspur. ▶ E: warum der unscheinbarste Baustein der wichtigste ist. ▶ I: OTA- vs. Blackmer-Topologie, linear/exponentiell, Steuerspannungs-Durchgriff und Klirr.
Der VCA steht am Ende der Audiokette und bestimmt die Lautstärke über die Zeit:
[VCO] → [VCF] → [VCA] → Ausgang
↑
Hüllkurve (EG)
Ohne VCA klingt ein Synthesizer permanent — ein Dauerton. Erst der VCA schneidet aus dem endlosen Signal einzelne Töne heraus: Anschlag, Halten, Ausklingen. Er ist zugleich der Standard-Baustein für alles, wo eine Spannung eine Amplitude steuern soll — auch im CV-Pfad (Modulationstiefe regeln, „VCA für Modulation”).
Ein VCA ist ein Lautstärkeregler, an dem statt eines Fingers eine Spannung dreht. Steuerspannung 0 V → geschlossen (still); Steuerspannung hoch → offen (laut).
Zwei Einsatzorte, die man auseinanderhalten muss:
Linear oder exponentiell? Zwei Kennlinien, zwei Zwecke:
Die naheliegendste Realisierung nutzt den OTA (Teil 2.3.4). Die Transkonduktanz ist stromgesteuert:
Der Steuerstrom wird aus der Steuerspannung erzeugt (Serienwiderstand für linear, Exp-Konverter für exponentiell). Damit ist die Verstärkung proportional zu — ein VCA.
Dimensionierungsregeln (die drei Fallen):
Rauschen und Klirr: Der OTA-VCA rauscht deutlich, wenn das Signal stark heruntergeteilt und danach wieder hochverstärkt wird — Rauschabstand ist der Preis der Einfachheit. Für Audiopfade mit Studioanspruch daher oft die nächste Topologie.
Die zweite Familie stammt aus der Studiotechnik (David E. Blackmer, dbx): ein logarithmisch-antilogarithmisches Transistorpaar im Strommodus, das eine exakt exponentielle dB-lineare Steuerung mit sehr niedrigem Klirr liefert.
Faustregel: OTA (LM13700) für DIY-Lernen, Modulations-VCAs und charaktervolle Klangwege. V2164/THAT für polyfone Stimmen, Mixer-Automation und alles mit Rauschanspruch.
| Prinzip | Bauteil | Charakter | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| OTA | LM13700, CA3080 | typisch, etwas rau | DIY-Standard |
| Current-mode/Blackmer | V2164, THAT2180 | sehr sauber, dB-linear | Studio/Poly |
| Dediziert | CEM3360/AS3360, CEM3330 | klassisch, kompakt | Synth-Klassiker |
| Vactrol (LDR+LED) | VTL5C3 o. ä. | weich, träge, „gummig” | langsame Reaktion als Klangmerkmal, Bauteil-Streuung [zu verifizieren: Verfügbarkeit] |
| FET | J-FET als Steuerwiderstand | einfach, begrenzt linear | historisch, hoher Klirr |
| Diskretes Diff-Paar | Transistoren | volle Lernkontrolle | Abgleichaufwand |
Vactrol-Hinweis: Der träge, exponentiell-weiche Verlauf eines Optokopplers wird gezielt als Klangeigenschaft genutzt (Buchla-Ästhetik, „low-pass gate”, siehe 4.3.6). Original-Vactrols sind schwer beschaffbar; DIY-Ersatz aus LED + LDR in Schrumpfschlauch ist üblich, streut aber stark.
Klicken ist das häufigste VCA-Problem und hat drei verschiedene Ursachen, die man auseinanderhalten muss:
Eine westküsten-typische Variante (Buchla): VCA und Tiefpass werden gemeinsam von einem Vactrol gesteuert. Wird der Klang leiser, wird er zugleich dunkler — genau wie bei akustischen Instrumenten, deren Obertöne schneller abklingen als der Grundton. Ergebnis: das charakteristische „plonk”/„bongo”-Verhalten. Realisierung: Vactrol steuert Widerstand in einem RC-Tiefpass und die Dämpfung; Ansteuerung meist mit kurzem Trigger statt voller ADSR-Hüllkurve.
Doppelspur. ▶ E: die Phasen einer Hüllkurve und was sie klanglich bedeuten. ▶ I: RC-Zeitkonstanten, die Ladekurven-Mathematik, Gate/Trigger-Logik und die diskrete wie integrierte Realisierung.
Abb. 3: ADSR-Hüllkurve
Der EG erzeugt kein Audiosignal, sondern eine Steuerspannung, die sich über die Zeit ändert. Er ist der Zeit-Gestalter des Instruments:
Gate/Trigger → [EG] ──┬──→ VCA (Lautstärkeverlauf)
└──→ VCF (Klangfarbenverlauf)
Ohne Hüllkurve klingt jeder Ton gleich lang und gleich laut. Die Hüllkurve macht aus einem Dauerton ein Ereignis: Anschlag, Ausklingen, Nachhall.
Der Standard ist ADSR — vier Parameter, die zusammen die Form beschreiben:
Kürzere Varianten, die in der Praxis oft genügen:
| Typ | Parameter | Einsatz |
|---|---|---|
| AR | Attack, Release | einfachste Form; Noise Toaster, viele DIY-Module |
| AD | Attack, Decay | perkussiv, feuert einmal durch (Drums, Blips) |
| ADSR | alle vier | Standard für spielbare Instrumente |
| DADSR | + Delay | Verzögerter Einsatz (Layering, Streicher-Schwelle) |
Gate vs. Trigger — der zweite häufige Stolperstein:
Analoge Hüllkurven laden und entladen einen Kondensator über einen Widerstand. Die Flanken sind daher exponentiell, nicht linear:
Attack (Aufladung gegen die Zielspannung ):
Decay/Release (Entladung):
Die Zeitkonstante ist die Kerngröße. Merkwerte:
| Zeit | erreichter Anteil (Ladung) |
|---|---|
| 1 τ | 63,2 % |
| 2 τ | 86,5 % |
| 3 τ | 95,0 % |
| 5 τ | 99,3 % (praktisch „fertig”) |
Praktische Folgerung: Wird die „Attack-Zeit” als Zeit bis zum vollständigen Erreichen definiert, entspricht sie etwa 3–5 τ. Ein Modul mit „Attack 1 ms bis 10 s” braucht also τ von rund 0,2 ms bis 2–3 s. Bei heißt das von ~200 Ω bis ~3 MΩ — genau deshalb sitzen in EG-Schaltungen große Potis (1 M) in Reihe mit einem kleinen Schutzwiderstand.
Warum exponentiell gut klingt: Das Gehör empfindet Lautstärke logarithmisch. Ein exponentiell abfallender Pegel wird als gleichmäßiges Ausklingen wahrgenommen — genau wie bei einer angeschlagenen Saite oder Glocke. Lineare Hüllkurven wirken dagegen „abgeschnitten”. (Manche Module bieten umschaltbar lineare Flanken für spezielle Modulationsaufgaben.)
Grundstruktur der klassischen analogen ADSR:
Der Attack-Umschaltpunkt: Ein Komparator erkennt, wann der Kondensator den Maximalwert (fast) erreicht hat, und schaltet auf Decay um. Weil die Ladung asymptotisch verläuft, wird meist bei ~95 % umgeschaltet — sonst würde die Attack-Phase nie enden.
Mikrocontroller (Teil 7.2) berechnen die Kurve und geben sie über einen DAC aus. Vorteil: beliebige Kurvenformen, exakte Reproduzierbarkeit, Presets. Nachteil: Auflösung/Stufigkeit bei langsamen Rampen (Zipper-Noise), wenn DAC-Bittiefe oder Update-Rate zu gering sind.
| Klangtyp | A | D | S | R | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|---|
| Perkussiv (Drum, Pluck) | 0–5 ms | 100–400 ms | 0 | kurz | Sustain 0 ist entscheidend |
| Orgel/Gate | 0–5 ms | — | max | 0–10 ms | rechteckig, kein Ausklingen |
| Streicher/Pad | 0,3–1,5 s | mittel | hoch | 0,5–2 s | langsames Anschwellen |
| Bass (gezupft) | 0–2 ms | 150–300 ms | niedrig | kurz | Filter-EG meist schneller als Amp-EG |
| Blas/Brass | 30–120 ms | kurz | hoch | mittel | Filter-EG mit leichtem Überschwinger |
Die wichtigste Praxisregel: VCA-Hüllkurve und VCF-Hüllkurve getrennt einstellen. Ein klassischer Brass-Sound entsteht dadurch, dass das Filter schneller öffnet und schließt als die Lautstärke — der „Anblas-Effekt”.
Doppelspur. Diese drei Modulgruppen werden gemeinsam behandelt, weil sie zusammen die Modulationsebene eines Systems bilden. ▶ E erklärt Zweck und Praxis, ▶ I die Schaltungen.
Ein LFO ist ein Oszillator, der zu langsam schwingt, um gehört zu werden — typisch 0,01 bis 30 Hz. Man hört ihn nicht als Ton, sondern als Bewegung: er moduliert andere Parameter.
Klassische Anwendungen:
| Ziel | Wellenform | Ergebnis |
|---|---|---|
| VCO-Tonhöhe | Dreieck/Sinus, langsam | Vibrato |
| VCA-Lautstärke | Dreieck/Sinus | Tremolo |
| VCF-Cutoff | Dreieck | „wobbelndes” Filter, Dubstep-Wobble |
| Pulsweite (PWM) | Dreieck, sehr langsam | schwebender, breiter Klang |
| Panorama | Dreieck | Auto-Pan |
| Sample&Hold-Takt | Rechteck | Schritt-Zufall |
Der fließende Übergang: Dreht man einen LFO in den hörbaren Bereich (über ~20 Hz), wird aus Modulation Klangsynthese — Vibrato wird zu FM (Frequenzmodulation), Tremolo wird zu Ringmodulation-artigen Seitenbändern. Viele Module bieten deshalb einen LFO/VCO-Umschaltbereich. Das ist keine Randnotiz, sondern das Grundprinzip der FM-Synthese.
Ein LFO ist schaltungstechnisch ein VCO mit großen Zeitkonstanten. Zwei übliche Realisierungen:
(a) Integrator + Komparator (Dreieck/Rechteck-Kern). Ein OpAmp-Integrator lädt einen Kondensator linear; ein Schmitt-Trigger kippt bei Erreichen der Schwellen und dreht die Laderichtung um. Ergebnis: Dreieck am Integrator, Rechteck am Komparator, exakt phasenstarr. Frequenz:
(mit als Hysterese-Teiler des Schmitt-Triggers).
(b) Schmitt-Trigger-Inverter (CD40106). Ein Inverter, ein Widerstand, ein Kondensator — fertig ist ein LFO. . Sechs pro Chip. Liefert Rechteck plus (am Kondensator) eine exponentielle Sägezahn-Näherung.
Praxisdetails: - Große Zeitkonstanten brauchen Folienkondensatoren; Elkos haben Leckströme, die bei sehr langsamen LFOs (Minutenbereich) die Kurve verfälschen. - Reset/Sync-Eingang: erlaubt, den LFO auf einen Takt zu synchronisieren — wichtig für rhythmische Modulation. - Bipolar oder unipolar? Ein LFO für Tonhöhen-Vibrato sollte bipolar um 0 V schwingen (sonst verstimmt er die Grundtonhöhe). Ein LFO für Lautstärke wird oft unipolar gebraucht. Gute Module bieten beides oder einen Offset-Regler.
Rauschen ist ein Signal ohne Tonhöhe — alle Frequenzen gleichzeitig, zufällig verteilt. Im Synthesizer unverzichtbar für:
Rauschfarben (die Analogie zum Lichtspektrum):
| Farbe | Spektrum | Klang |
|---|---|---|
| Weiß | alle Frequenzen gleich stark | hell, zischend („Fernsehschnee”) |
| Rosa (pink) | −3 dB/Oktave | ausgewogen, „natürlich” — gleiche Energie pro Oktave |
| Rot/Braun | −6 dB/Oktave | dumpf, rauschendes Meer |
| Blau/Violett | +3/+6 dB/Oktave | sehr hell, scharf |
Warum rosa Rauschen „natürlicher” klingt: Unser Gehör arbeitet in Oktaven. Weißes Rauschen hat pro Hertz gleiche Energie — also in der Oktave 10–20 kHz zehnmal so viel wie in 1–2 kHz. Es klingt darum spitz. Rosa Rauschen hat pro Oktave gleiche Energie und wird als ausgewogen empfunden. Deshalb ist rosa Rauschen auch der Standard bei der Beschallungs-Einmessung (Querverweis: FORSCH-0288, MISCHWERK).
(a) Zener-/Sperrschichtrauschen (analog). Eine in Sperrrichtung betriebene Basis-Emitter-Strecke eines Transistors (z. B. 2N3904) durchbricht bei ~6–9 V und rauscht dabei stark. Das Signal ist sehr klein (µV–mV) und braucht 2–3 Verstärkerstufen (Gesamtverstärkung 1000–10000).
(b) Digital (LFSR). Ein rückgekoppeltes Schieberegister (Linear Feedback Shift Register) erzeugt eine pseudozufällige Bitfolge. Klassisch mit CD4006/CD4015 + XOR-Gatter, heute meist im Mikrocontroller. Vorteile: exakt reproduzierbar, keine Bauteilstreuung, definierbare Periodenlänge. Nachteil: streng genommen periodisch (bei ausreichender Registerlänge aber praktisch nicht hörbar).
(c) Rosa-Filter. Aus weißem Rauschen wird rosa durch ein Filter mit −3 dB/Oktave. Da echte −3 dB/Okt nicht mit einem einfachen RC-Glied erreichbar sind (das liefert −6), verwendet man ein Kaskadenfilter aus mehreren gestaffelten RC-Gliedern, das die −3-dB-Neigung über den Audiobereich annähert.
Ein Modularsystem besteht nicht nur aus Klangerzeugern. Die Verbindungs- und Formungsmodule entscheiden darüber, ob ein System spielbar ist. Sie sind billig, unspektakulär und werden von Einsteigern konsequent zu spät gekauft (siehe 6.1.6).
(a) Multiple (Verteiler) — verteilt ein Signal auf mehrere Ziele. - Passiv: Buchsen parallel verlötet. Für Gates/Audio in Ordnung. - Gepuffert: mit OpAmp-Impedanzwandler. Pflicht für Tonhöhen-CV (Begründung 6.1.4).
(b) Attenuator / Attenuverter — regelt die Stärke eines Signals herunter. - Attenuator: 0 … 100 % (nur Abschwächung, Potentiometer). - Attenuverter: −100 % … 0 … +100 % — kann das Signal auch invertieren. Ein LFO, der das Filter statt auf- zumacht. Unverzichtbar für Modulationsarbeit. - ▶ I: Attenuverter = OpAmp mit Poti zwischen invertierendem und nichtinvertierendem Pfad; in Mittelstellung heben sich beide auf → Nullpunkt.
(c) Offset / Bias — addiert eine konstante Gleichspannung. Verschiebt einen bipolaren LFO in den unipolaren Bereich oder stimmt einen VCO manuell.
(d) Mixer (CV und Audio) — summiert Signale. ▶ I: invertierender Summierer (Teil 3.2); bei CV auf DC-Kopplung achten — ein AC-gekoppelter Audiomixer kann keine Steuerspannungen mischen. Das ist ein häufiger Fehlkauf.
(e) Slew Limiter / Portamento — begrenzt die Änderungsgeschwindigkeit einer Spannung. Aus Tonhöhensprüngen wird Glide/Portamento; aus einem Gate wird eine Hüllkurvenform. ▶ I: RC-Glied mit gepuffertem Ausgang; getrennte Rise-/Fall-Zeiten machen daraus einen vielseitigen Funktionsgenerator.
(f) Sample & Hold (S&H) — nimmt bei jedem Takt eine Momentaufnahme der Eingangsspannung und hält sie bis zum nächsten Takt. - ▶ E: Rauschen + S&H = die klassische „Zufallsmelodie” (das „Computer”-Geräusch der 1970er). - ▶ I: Analogschalter (CD4066) lädt einen Haltekondensator, gefolgt von einem sehr hochohmigen Puffer (FET-OpAmp). Der Kondensator entlädt sich sonst über den Puffereingang → die Spannung „sackt ab” (Droop). Kleiner Kondensator = schnelle Übernahme, aber mehr Droop; großer = stabil, aber träge.
(g) Komparator / Schwellwertschalter — macht aus einer Steuerspannung ein Gate, sobald ein Schwellwert überschritten wird. Aus einem LFO wird ein Rhythmusgenerator.
(h) Ringmodulator — multipliziert zwei Signale. Erzeugt Summen- und Differenzfrequenzen ohne die Originaltöne → metallische, glockige, „unmusikalische” Klänge. ▶ I: klassisch mit Übertrager und Diodenring, modern mit einem Vierquadranten-Multiplizierer (AD633, oder das OTA-Prinzip). Bekannt als Dalek-Stimme (Doctor Who) und in Industrial/Noise-Ästhetik.
Ein sinnvoll aufgebautes System hat mindestens so viele Utility-HP wie Klangerzeuger-HP. Wer drei VCOs und keinen Attenuverter hat, kann weniger als jemand mit einem VCO, zwei LFOs und vier Utilities.
Doppelspur. ▶ E: wie aus einzelnen Bausteinen ein spielbares Instrument wird. ▶ I: Architekturentscheidungen, ein vollständig durchgerechneter Referenzbau, Mechanik und Abgleich. Dieser Teil führt die Modulkapitel (4.x) zusammen.
Ein Synthesizer ist nicht eine Technik, sondern eine Entwurfshaltung. Vier Paradigmen prägen die Praxis:
| Paradigma | Prinzip | Typische Vertreter |
|---|---|---|
| Subtraktiv | obertonreiche Quelle → wegfiltern | Minimoog, SH-101, fast alles Klassische |
| Additiv | viele Sinus aufaddieren | Orgeln, Hammond, Kawai K5 |
| FM/PM | Oszillatoren modulieren sich gegenseitig | DX7, Yamaha-Linie |
| Physical Modeling | akustischen Vorgang nachrechnen | digital (Teil 7) |
Subtraktiv ist das Paradigma dieses Buches, weil es analog am direktesten realisierbar ist (Teil 1.1.3 begründet, warum der Sägezahn dafür das ideale Rohmaterial ist).
Zwei Schulen, die sich historisch parallel entwickelten und bis heute die Ästhetik prägen:
East Coast (Moog, New York). Tastatur-orientiert, an klassische Instrumente angelehnt. Signalkette VCO → VCF → VCA, gesteuert von Hüllkurven. Ziel: spielbare, „musikalische” Klänge. Das ist die Kette, die Teil 4 durchgearbeitet hat.
West Coast (Buchla, Kalifornien). Nicht tastaturzentriert; Klang entsteht aus Komplexität statt Subtraktion. Charakteristische Bausteine: - Complex Oscillator — zwei Oszillatoren, die sich gegenseitig modulieren (FM, AM). - Wavefolder/Waveshaper — statt Obertöne wegzufiltern, werden zusätzliche erzeugt, indem die Wellenform „gefaltet” wird. - Low-Pass Gate (4.3.6) statt VCA+VCF getrennt. - Zufall und Sequenzer als kompositorische Werkzeuge statt Klaviatur.
▶ I — Der Wavefolder als Kontrast. Beim Filter wird Obertonmaterial entfernt; beim Wavefolder wird eine Dreieck-/Sinuswelle an einstellbaren Schwellen „umgeklappt”, wodurch neue, teils inharmonische Obertöne entstehen. Schaltungstechnisch: Diodennetzwerke oder OTA-Ketten in Sättigung. Klanglich: metallisch, glasig, dynamisch reagierend — hörbar anders als ein resonantes Filter. Das interaktive Werkzeug T7 (Wavefolder-Visualizer) zeigt die Faltung live und hörbar: mit wachsender Faltungstiefe entstehen sichtbar und hörbar immer mehr Obertöne.
In der Praxis mischen die meisten heutigen Systeme beide Schulen — Eurorack ist formatoffen genug, dass ein Buchla-artiger Complex Oscillator neben einem Moog-Ladder-Filter steckt.
Ein monophoner subtraktiver Synthesizer mit den Modulen aus Teil 4, als geschlossenes Gerät (kein Modularsystem). Ziel: ein Instrument, das man am Ende spielen kann, mit überschaubarem Bauteilaufwand.
Blockdiagramm:
Gate ────────────────────────┐
▼
CV(1V/Okt) ──► [VCO] ──► [VCF] ──► [VCA] ──► [Ausgang]
▲ ▲ ▲
│ │ │
[LFO] [EG-1] [EG-2]
▲ ▲
└─ Gate ──┘
| Block | Realisierung | Kapitel | Begründung |
|---|---|---|---|
| VCO | AS3340 (oder diskret + Tempco) | 4.1.3 | stabiles Tracking ohne aufwendigen Abgleich |
| VCF | LM13700-OTA, 12 dB SVF oder 24 dB Ladder | 4.2.3 | OTA ist beschaffbar und lehrreich |
| VCA | LM13700 (zweite Hälfte) | 4.3.2 | ein Chip für VCF+VCA spart Bauteile |
| EG ×2 | diskret, CD4066 + TL072 | 4.4.3a | zwei getrennte Hüllkurven (Amp/Filter) sind der Kern des Klangdesigns |
| LFO | CD40106 oder TL072-Integrator | 4.5.2 | Dreieck + Rechteck |
| Interface | MIDI-to-CV (µC) oder Klaviatur-Widerstandsleiter | 4.9 / 7.2 | |
| Ausgang | Pegelabsenkung + Kopfhörertreiber | 6.1.4 | Synth-Pegel ist zu heiß für Line |
Grobrechnung für die Netzteildimensionierung (Methode wie in 6.1.3):
| Block | +12 V | −12 V |
|---|---|---|
| VCO (AS3340 + Puffer) | ~25 mA | ~20 mA |
| VCF (LM13700 + OpAmps) | ~20 mA | ~20 mA |
| VCA (geteilter LM13700) | ~10 mA | ~10 mA |
| 2× EG (TL072 + CD4066) | ~12 mA | ~10 mA |
| LFO | ~8 mA | ~8 mA |
| Ausgangsstufe | ~15 mA | ~15 mA |
| Summe | ~90 mA | ~83 mA |
Mit 30 % Reserve: ein ±12-V-Netzteil ab ~150 mA je Rail genügt. Bei zusätzlichem Mikrocontroller-Interface separat +5 V rechnen (lokal aus +12 V regeln, 6.1.2).
Nicht alles auf einmal aufbauen. Stufenweise, jede Stufe testen:
▶ I — Warum diese Reihenfolge: Jede Stufe hat einen eindeutigen Testpunkt und baut auf einer bereits verifizierten Stufe auf. Baut man alles und schaltet dann ein, hat man bei einem Fehler N mögliche Ursachen statt einer.
Ein elektrisch perfektes Modul mit schlechter Mechanik ist unbrauchbar: verkantete Potis brechen ab, wackelnde Buchsen erzeugen Aussetzer, eine unlesbare Beschriftung macht das Instrument unspielbar. Die Frontplatte ist zugleich das Bedieninterface — hier entscheidet sich, ob das Gerät benutzt wird.
| Verfahren | Material | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Laser (CO₂) | Acryl, Holz, Karton | schnell, präzise, gravierbare Beschriftung | kein Metall; Acryl bricht bei dünnen Stegen |
| Laser (Faser)/CNC | Aluminium | professionell, stabil, geschirmt | Aufwand/Kosten höher |
| 3D-Druck FDM | PLA/PETG/ASA | Prototypen, Sonderformen, Distanzstücke | Oberfläche, Maßhaltigkeit, UV/Wärme |
| 3D-Druck SLA | Resin | feine Details, glatte Oberfläche | spröder, UV-empfindlich |
| Fertigung extern | Alu eloxiert + Siebdruck | Serienqualität | Mindestmengen, Vorlaufzeit |
| PCB als Frontplatte | FR4 | mit dem Board mitbestellt, Beschriftung im Lötstopp | Optik ist Geschmackssache; leitfähig bei Kupfer |
Werkstatt-Kontext (SCHICHTWERK): Für den Eigenbau ist die Kombination Laser für Acryl-/Holzpanels + FDM für Innenmechanik (Distanzhalter, Halterungen, Kabelführung) + SLA für Feindetails (Knopfkappen, Beschriftungsträger) praxisnah. Bei Aluminiumpanels lohnt externe Fertigung ab kleinen Serien.
Aus 6.1.1 folgend, hier als Fertigungsvorgaben:
Grundprinzip: Halbiere den Signalweg. Statt von vorn nach hinten zu prüfen, misst man in der Mitte — damit halbiert jeder Test den Suchraum.
Ablauf:
Häufigste Ursachen in der Reihenfolge ihrer Wahrscheinlichkeit: Lötfehler → falsch bestückter Bauteilwert → verpolte/falsch orientierte Bauteile → Verdrahtungsfehler → tatsächlicher Schaltungsfehler → defektes Bauteil. Das defekte Bauteil ist deutlich seltener als vermutet.
Doppelspur. ▶ E: was Eurorack ist, was man zum Start braucht und welche Fallen teuer werden. ▶ I: die Spezifikation im Detail — Maße, Busboard, Stromberechnung, Signalpegel, Impedanzen.
Abb. 6: Eurorack-Stromversorgung
Ein Modul ist erst dann nachbaubar, wenn es mechanisch, elektrisch und signaltechnisch in ein System passt. Eurorack ist der De-facto-Standard des zeitgenössischen DIY-Modularbaus — nicht weil es technisch das beste Format wäre, sondern weil dort die größte Auswahl an Modulen, Gehäusen und Bausätzen existiert. Wer eigene Module entwickelt (Teil 8), entwickelt praktisch immer gegen diese Spezifikation.
Historische Einordnung: Eurorack wurde 1995 von Doepfer (Dieter Doepfer) mit dem A-100-System eingeführt. Das Format übernimmt die Mechanik der 19-Zoll-Industrienorm, definiert aber eigene Konventionen für Strom und Signale. Es ist ein offener Standard ohne Lizenzgebühren — das ist der Grund für die Explosion an Herstellern und DIY-Projekten ab etwa 2010.
Drei Maße muss man kennen:
▶ I — Befestigung. Die Frontplatte wird mit M3-Schrauben in Gewindeschienen oder Gleitmuttern verschraubt. Die Bohrungen liegen in Ovallöchern, damit HP-Toleranzen ausgeglichen werden können. Bei eigenen Frontplatten (Teil 5.3, Schichtwerk-Fertigung) unbedingt Ovallöcher vorsehen — starre Rundlöcher führen bei mehreren Modulen nebeneinander zu Spannungen und Verkanten.
Eurorack verteilt Strom über ein Busboard mit 16-poligen Wannensteckern:
| Schiene | Zweck | Anmerkung |
|---|---|---|
| +12 V | analoge Positiv-Rail | Hauptversorgung |
| −12 V | analoge Negativ-Rail | für symmetrische Audio-/CV-Signale |
| GND | Masse | mehrere Pins |
| +5 V | Digital-Rail | nicht in jedem Netzteil vorhanden! |
| CV / Gate (2 Pins) | optionaler Bus | von Doepfer vorgesehen, kaum genutzt |
Der berüchtigte rote Streifen. Das Flachbandkabel hat an einer Seite einen roten Streifen — dieser markiert −12 V. Beim Modul liegt −12 V an der Seite mit der Markierung „−12” bzw. dem Punkt am Wannenstecker.
Verpolungsschutz — die teuerste Falle im Hobby. Wird das Kabel um 180° verdreht eingesteckt, liegt +12 V dort, wo −12 V erwartet wird. Ohne Schutz zerstört das in Sekunden ICs. Zwei Schutzmaßnahmen gehören in jedes Eigenbau-Modul: 1. Verpolungsdioden in Reihe (Schottky, z. B. 1N5817) — einfach, kostet ~0,3 V Spannungsabfall pro Rail. 2. Verpolungsdioden gegen Masse in Sperrrichtung plus Sicherung — schließt bei Verpolung kurz und löst die Sicherung aus.
Besser noch: verpolungssichere Wannenstecker mit Nase (Shrouded Header) verwenden. Kostet Cent, spart Chips.
+5 V ist nicht garantiert. Viele analoge Netzteile liefern nur ±12 V. Ein Modul, das +5 V vom Bus erwartet, funktioniert dann nicht. Deshalb erzeugen gut konstruierte Digital-Module ihre 5 V lokal aus +12 V (LDO-Regler, z. B. 7805 oder moderner LM1117/AMS1117) statt sich auf den Bus zu verlassen.
Jedes Modul zieht Strom auf jeder Rail. Die Summe muss unter der Netzteilleistung bleiben — mit Reserve.
Rechenregel:
Die Rails werden getrennt gerechnet. Ein Netzteil mit „1500 mA” hat typischerweise 1500 mA auf +12 V und 1500 mA auf −12 V — nicht 1500 mA insgesamt.
Reserve: Mindestens 20–30 % Puffer einplanen. Gründe: - Einschaltstromspitzen (Inrush) beim Hochfahren, besonders bei Digitalmodulen mit großen Pufferkondensatoren. - Herstellerangaben sind oft Typwerte, keine Maxima. - Nachrüstung: das nächste Modul kommt bestimmt.
Typische Stromaufnahmen (Größenordnung):
| Modultyp | +12 V | −12 V | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Passiv (Multiple, Attenuator) | 0 | 0 | kein Anschluss nötig |
| Einfacher analoger VCA/Mixer | 20–40 mA | 20–40 mA | OpAmp-basiert |
| Analoger VCO | 30–70 mA | 30–70 mA | |
| Analoges Filter | 20–50 mA | 20–50 mA | |
| Digitalmodul (ARM/DSP) | 80–250 mA | 10–30 mA | asymmetrisch! |
| Modul mit Display/LEDs | + 20–100 mA | — | LEDs summieren sich |
Asymmetrie beachten: Digitalmodule ziehen fast allen Strom auf +12 V (dort sitzt der Regler für 3,3/5 V), während −12 V kaum belastet wird. Ein System mit vielen Digitalmodulen kann also die +12-V-Rail erschöpfen, während −12 V halb leer bleibt.
Hier liegt die zweite große Quelle von Missverständnissen: Eurorack kennt keine streng normierten Pegel, aber klare Konventionen.
| Signalart | üblicher Bereich | Bemerkung |
|---|---|---|
| Audio | ±5 V (10 Vpp) | manche Module bis ±10 V; deutlich heißer als Line-Pegel |
| CV unipolar | 0 … +8 V (oder 0…+10 V) | Hüllkurven, Tonhöhe |
| CV bipolar | −5 … +5 V | LFOs, Modulation |
| Tonhöhen-CV | 1 V/Oktave | Teil 4.1 |
| Gate | 0 V / +5 V (bis +10 V) | Schaltschwelle meist ~1–2,5 V |
| Trigger | kurzer Impuls, +5 V | typ. 1–10 ms |
Impedanzkonvention: Ausgänge niederohmig (typ. 1 kΩ Schutzwiderstand in Reihe), Eingänge hochohmig (typ. 100 kΩ). Das erlaubt, einen Ausgang über ein passives Multiple auf mehrere Eingänge zu verteilen, ohne dass der Pegel merklich einbricht.
▶ E — Die Konsequenz für die Praxis: Eurorack-Audio ist viel lauter als Studio-Line-Pegel. Ein Modularausgang direkt in ein Mischpult gespeist übersteuert dort. Man braucht ein Ausgangsmodul (Output/Line-Interface), das den Pegel um etwa 12–20 dB absenkt und oft symmetriert. Umgekehrt braucht externes Audio ein Eingangsmodul, das den Pegel anhebt.
Passive Multiples vs. gepufferte: Ein passives Multiple (nur zusammengelötete Buchsen) reicht für Gates und Audio meist. Für Tonhöhen-CV an mehrere Ziele sollte man gepufferte Multiples verwenden — sonst teilt sich der Ausgangswiderstand mit den Eingangswiderständen, die Spannung sinkt leicht, und das VCO-Tracking wird ungenau (hörbare Verstimmung).
Die minimale spielbare Konfiguration:
Der klassische Anfängerfehler: zu viele Klangquellen, zu wenige Utilities. Ein Modularsystem lebt von Attenuatoren, Mixern, Multiples und Offset-Modulen — sie sind unspektakulär, aber ohne sie lassen sich die spannenden Module nicht sinnvoll verschalten (Teil 4.7).
Doppelspur. ▶ E: welche Systeme es neben Eurorack gibt und wie man zwischen ihnen übersetzt. ▶ I: die technischen Unterschiede, die beim Übergang zählen. Voraussetzung ist Teil 6.1.
Eurorack (6.1) ist heute der verbreitetste Standard, aber nicht der einzige und nicht der älteste. Jedes Format verkörpert eine Entwurfsphilosophie: andere Buchsen, andere Pegel, andere Ergonomie — und damit eine andere Musikpraxis. Wer die Unterschiede kennt, versteht auch, warum bestimmte Klänge und Spielweisen an bestimmte Formate gebunden sind.
| Format | Höhe | Buchse | Strom | Signalpegel | Charakter |
|---|---|---|---|---|---|
| Eurorack | 3U (128,5 mm) | 3,5 mm Klinke | ±12 V | ±5 V Audio, 1V/Okt | größte Auswahl, dicht |
| Serge | 4U | Bananenstecker | ±12 V | variabel | patch-programmierbar, stapelbar |
| Buchla 200/200e | eigenes | Bananenstecker (CV) + Klinke (Audio) | ±15 V | 10 Vpp, oft Hz/V | West Coast, getrennte CV-/Audiowelt |
| MU / Moog Unit (“5U”) | 5,25″ | 1/4″ Klinke | ±15 V | größer | groß, „vintage”, teuer |
| Frac Rak | 3U (kleiner) | 1/4″ Klinke | ±15 V | älteres DIY-Format | |
| Kosmo | 200 mm | 1/4″ Klinke | ±12 V | Eurorack-kompatibel elektrisch | DIY, große Panels, robust |
| Pedal/Desktop | — | 6,3/3,5 mm | divers | Instrument/Line | eigenständige Geräte |
Beim Übergang zwischen Formaten sind nicht die Maße das Problem (die löst ein Adapterkabel), sondern drei elektrische Größen:
| Übergang | Problem | Lösung |
|---|---|---|
| 1V/Okt ↔︎ Hz/V | grundverschiedene Kennlinie | aktiver Wandler (Exp/Log, Teil 3.3) |
| ±12 V ↔︎ ±15 V | Versorgung/Headroom | eigenes Netzteil je System; Signalpegel per Attenuator anpassen |
| Gate 5 V ↔︎ 10 V / S-Trig | Schaltschwelle/Polarität | Pegelwandler; S-Trigger (Moog, invertiert) braucht Umkehrung |
| Modularpegel ↔︎ Line/Instrument | Pegel 10–20 dB zu heiß | Ausgangsmodul (6.1.4) |
S-Trigger als Sonderfall: Ältere Moog-Geräte verwenden „Switch Trigger” — ein nach Masse schaltendes Signal statt einer positiven Spannung. Ein moderner V-Trigger (positive Gate-Spannung) muss dafür invertiert werden. Ein häufiger Stolperstein beim Verbinden alter und neuer Geräte.
Der DIY-Synthesizerbau lebt von einer ungewöhnlich offenen Kultur: Schaltpläne, Layouts und Bauanleitungen werden geteilt, kommentiert und weiterentwickelt. Diese Offenheit ist kein Zufall, sondern hat konkrete Wurzeln — pädagogische Projekte, auslaufende Patente auf Grundschaltungen und eine Community, die Wissen als gemeinsames Gut behandelt. Für Nachbauer bedeutet das: Fast jede hier behandelte Schaltung existiert bereits als dokumentiertes, offenes Projekt.
Hinweis: Die folgende Übersicht nennt etablierte Quellen als Orientierung. Verfügbarkeit, Aktivität und Links ändern sich — alle Einträge sind vor einer Veröffentlichung gegen den aktuellen Stand zu prüfen. [zu verifizieren: sämtliche Projekte, Links, Aktivitätsstatus]
| Projekt/Quelle | Beitrag | Charakter |
|---|---|---|
| MFOS (Music From Outer Space, Ray Wilson) | Lehrprojekte, „Noise Toaster”, komplette Synths | pädagogisch, gut dokumentiert, Ausgangspunkt vieler Einsteiger |
| YuSynth (Yves Usson) | umfangreiche Modulsammlung, VCO/VCF/… | klassische Nachbauten, bewährt |
| Ken Stone / CGS (Cat Girl Synth) | ungewöhnliche Module, West-Coast-nah | experimentell |
| Music Thing Modular (Tom Whitwell) | Turing Machine (Zufall), einfache Utilities | minimalistisch, offen |
| Mutable Instruments (Émilie Gillet) | quelloffene digitale/hybride Module, Code frei | prägend für die hybride Welle; Firmware offen |
| Befaco | offene Bausätze, Utilities | Kit-orientiert, community-nah |
| Nonlinearcircuits (NLC) | eigenwillige, chaosnahe Schaltungen | avantgardistisch |
| Thonk | Bausätze und Bauteile (Vertrieb) | Bezugsquelle, kein Entwickler |
| Lunetta / Nicolas Collins | CMOS-basierte Klangbastelei (40106 etc.) | Einstieg ohne Präzisionsanspruch (2.3.2) |
Nicht jedes offene Projekt ist gleich gut nachbaubar. Prüfkriterien (vgl. 8.5.1):
Dieses Werk versteht sich nicht als konkurrierendes Projekt, sondern als Landkarte und Fundament: Es erklärt die Prinzipien, auf denen die genannten Projekte beruhen, und macht sie damit lesbar und beurteilbar. Wer die Teile 3 und 4 verstanden hat, kann einen MFOS- oder YuSynth-Schaltplan lesen, seine Dimensionierung nachvollziehen und ihn gezielt modifizieren — statt ihn nur nachzulöten.
Der Auslöser dieses Buches — Ray Wilsons Make: Analog Synthesizers mit dem „Noise Toaster” — steht selbst in dieser Tradition: ein Lehrgerät, an dem sich die Prinzipien erfahren lassen. Dieses Werk führt den Gedanken weiter, indem es die Prinzipien vom einzelnen Lehrgerät ablöst und systematisch, bilingual und mit interaktiven Werkzeugen aufbereitet.
Doppelspur. ▶ E: was digital besser kann, was analog bleibt und warum die meisten heutigen Module hybrid sind. ▶ I: Mikrocontroller-Plattformen, DAC/ADC-Dimensionierung, DSP-Grundlagen und die Aliasing-Frage. Dieser Teil setzt Teil 1–6 voraus.
Abb. 7: Aliasing
Die Debatte „analog vs. digital” wird oft ideologisch geführt. Sachlich haben beide klar benennbare Stärken:
| Kriterium | Analog | Digital |
|---|---|---|
| Reproduzierbarkeit | Bauteiltoleranzen, Drift | exakt, presetfähig |
| Komplexität pro Bauteil | jede Stimme kostet Hardware | Polyfonie in Software |
| Speicher/Presets | schwierig (VC-Potis nötig) | trivial |
| Aliasing | existiert nicht | zentrales Problem (7.3.3) |
| Sättigung/Übersteuerung | weich, oft erwünscht | hart, meist unerwünscht |
| Kosten bei hoher Funktionsdichte | steigen linear | fast konstant |
| Latenz | null | Puffer + Wandlung |
| Entwicklungszyklus | löten, messen | kompilieren, flashen |
Die produktive Schlussfolgerung: Nicht „was ist besser”, sondern welche Aufgabe gehört wohin. In der Praxis hat sich eine klare Arbeitsteilung herausgebildet:
Das ist die Hybrid-Architektur (7.5) und beschreibt die Mehrheit heutiger Eurorack-Module.
Zwei Punkte, die in Werbetexten selten stehen:
| Plattform | Kern | Stärke | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Arduino (AVR) | 8-Bit, 16 MHz | einfachster Einstieg, riesige Community | Sequencer, MIDI-CV, Logik |
| Teensy 4.x | ARM Cortex-M7, 600 MHz | sehr schnell, Audio-Library | Audio-DSP, Sampler |
| Daisy Seed | ARM Cortex-M7 + Codec | für Audio gebaut: Codec, SDRAM an Bord | Effekte, digitale Oszillatoren |
| RP2040 (Pico) | Dual Cortex-M0+, PIO | billig, PIO für exakte Timings | CV-Erzeugung, Gate-Logik, Utility |
| STM32 | ARM, breite Familie | industrieller Standard, viel Peripherie | kommerzielle Module |
| ESP32 | Xtensa + WLAN/BT | Funk an Bord | vernetzte/experimentelle Module |
▶ E — Einstiegsempfehlung: Für CV/Gate-Aufgaben (Sequencer, Quantizer, LFO, Zufall) ist der RP2040 derzeit die günstigste und flexibelste Wahl. Für Audio-DSP (Delay, Reverb, digitale Oszillatoren) ist Daisy Seed der direkteste Weg, weil Codec und Speicher bereits verbaut sind [zu verifizieren: aktuelle Verfügbarkeit/Preise].
Der RP2040 besitzt PIO (Programmable I/O) — kleine Zustandsautomaten, die unabhängig vom Hauptprozessor zyklusgenaue Signale erzeugen. Für Synth-Anwendungen bedeutet das: jitterfreie Gates und Clocks, unabhängig davon, was die CPU gerade tut. Auf klassischen Mikrocontrollern erzeugt jede Interrupt-Kollision Timing-Jitter, der bei rhythmischen Anwendungen hörbar wird.
Ein Mikrocontroller läuft mit 3,3 V (oder 5 V), die Modularwelt mit ±12 V und bipolaren Signalen. Vier Anpassungen sind Pflicht:
Für Tonhöhen-CV ist die Auflösung entscheidend. Bei einem Ausgangsbereich von 10 V und 1 V/Oktave:
| Bittiefe | Stufen | Schrittweite | Tonhöhenauflösung |
|---|---|---|---|
| 8 Bit | 256 | 39,1 mV | 46,9 Cent |
| 10 Bit | 1.024 | 9,77 mV | 11,7 Cent |
| 12 Bit | 4.096 | 2,44 mV | 2,9 Cent |
| 14 Bit | 16.384 | 0,61 mV | 0,73 Cent |
| 16 Bit | 65.536 | 0,15 mV | 0,18 Cent |
Bewertung: Das menschliche Gehör unterscheidet im günstigen Fall etwa 5–6 Cent. 12 Bit (2,9 Cent) sind damit für gespielte Töne gerade ausreichend, für langsame Glissandi aber hörbar gestuft. 16 Bit ist der praktische Standard für Tonhöhen-CV. Für Modulations-CV (Filter, Amplitude) genügen oft 12 Bit.
▶ I — PWM als DAC-Ersatz. Viele Mikrocontroller haben keinen echten DAC, aber PWM-Ausgänge. Ein RC-Tiefpass glättet das PWM-Signal zu einer Gleichspannung. Kompromiss: Je stärker geglättet (bessere Auflösung, weniger Restwelligkeit), desto träger die Reaktion. Für Tonhöhen-CV ist das grenzwertig; für langsame Modulation brauchbar. Echte DACs (MCP4728, DAC8565 o. ä.) sind der saubere Weg.
Ein digitales System tastet das Signal mit der Abtastrate ab. Das Abtasttheorem (Nyquist-Shannon) besagt:
Nur Frequenzen unterhalb der halben Abtastrate (, die Nyquist-Frequenz) sind rekonstruierbar. Bei 48 kHz Abtastrate also alles bis 24 kHz — das deckt den Hörbereich ab.
Was passiert mit Frequenzen oberhalb der Nyquist-Grenze? Sie verschwinden nicht, sondern falten sich zurück in den hörbaren Bereich:
Beispiel: Abtastrate 48 kHz, Nyquist 24 kHz. Ein Sägezahn mit Grundton 5 kHz hat Obertöne bei 10, 15, 20, 25, 30 kHz … Die ersten vier liegen korrekt. Danach faltet sich alles zurück:
| Oberton | echte Frequenz | erscheint als |
|---|---|---|
| 4. | 20 kHz | 20 kHz (korrekt) |
| 5. | 25 kHz | 23 kHz |
| 6. | 30 kHz | 18 kHz |
| 7. | 35 kHz | 13 kHz |
| 8. | 40 kHz | 8 kHz |
| 9. | 45 kHz | 3 kHz |
Die gefalteten Töne stehen in keinem harmonischen Verhältnis zum Grundton — und sie wandern beim Spielen einer Melodie in die falsche Richtung (steigt der Grundton, sinken die Aliasse). Das Ergebnis klingt schrill, „digital”, metallisch-falsch.
Gegenmaßnahmen (die Kunst des digitalen Oszillatorbaus):
| Verfahren | Prinzip | Aufwand |
|---|---|---|
| Oversampling | intern mit 4–16× Rate rechnen, dann filtern | hoch (Rechenzeit) |
| BLIT/BLEP | Sprungstellen bandbegrenzt „reparieren” | mittel, Standard |
| Wavetable | vorberechnete, pro Oktave bandbegrenzte Tabellen | Speicher statt Rechenzeit |
| Additiv | nur Obertöne unter Nyquist erzeugen | teuer, aber exakt |
Der analoge VCO hat diese Klasse von Problemen nicht — ein häufig übersehener, sachlicher Vorteil analoger Klangerzeugung (4.1.5).
Beides sind analoge Filter (Teil 4.2, Teil 3) — die digitale Welt braucht die analoge an ihren Rändern.
Die drei häufigsten digitalen Effekte und ihre Kernidee:
Ein Biquad (Zwei-Pol-Filter) ist eine Differenzengleichung:
Die Koeffizienten werden aus Cutoff und Q berechnet (die Analogie zur analogen Übertragungsfunktion aus 4.2.2 ist direkt). Praxishinweis: Bei sehr tiefen Cutoff-Frequenzen relativ zur Abtastrate werden Biquads numerisch instabil (Koeffizienten nahe 1); dann State-Variable-Topologien oder höhere Rechengenauigkeit verwenden.
(a) Analoger Signalweg, digitale Steuerung. Der Klang läuft komplett analog (VCO/VCF/VCA), ein Mikrocontroller erzeugt CV, verwaltet Presets und stellt die Bedienoberfläche. Beispiele: viele moderne Desktop-Synths. Vorteil: analoger Klang mit Presetfähigkeit.
(b) Digitale Quelle, analoge Formung. Ein digitaler Oszillator (Wavetable, Sample) speist ein analoges Filter und einen analogen VCA. Vorteil: beliebige Klangquellen mit analoger Sättigung und Filterverhalten. Sehr verbreitet in aktuellen Eurorack-Modulen.
(c) Analoge Quelle, digitale Bearbeitung. Analoge Oszillatoren, danach digitale Effekte (Delay, Reverb). Vorteil: analoge Grundstimme plus Effekte, die analog aufwendig wären.
Bei jedem Hybrid-Entwurf sind drei Punkte kritisch:
VCV Rack ist ein Open-Source-Software-Modularsystem, das die Eurorack-Logik am Rechner nachbildet. Für dieses Buch ist es aus drei Gründen relevant:
Grenzen: Die Software modelliert Verhalten, nicht Bauteiltoleranzen; die Aliasing-Frage (7.3.3) und das Sättigungsverhalten analoger Stufen werden je nach Modul unterschiedlich gut nachgebildet.
Die Software-Seite der Klangsynthese — DSP-Implementierung, Wavetable-Engines, WASM/Rust-Umsetzung — ist im Korpus separat als SignalWerk/SW-Synth entwickelt und wird hier nicht dupliziert. Dieses Buch behandelt die Hardware-Achse; die Berührungspunkte sind dieser Teil 7 und die Werkzeugkette (Teil 8).
Doppelspur. ▶ E: die Werkzeuge, mit denen man vom Einfall zur fertigen Platine kommt — alle in freien Versionen verfügbar. ▶ I: Simulationsmethodik, Layoutregeln für Analogtechnik, Fertigungsparameter und die Frage, was „Open Hardware veröffentlichen” konkret heißt.
| Werkzeug | Typ | Stärke | Kosten |
|---|---|---|---|
| Falstad Circuit Simulator | Browser, interaktiv | sofort, anschaulich, ideal zum Lernen | frei |
| LTspice | Desktop, SPICE | Industriestandard, sehr genau, große Modellbibliothek | frei (proprietär) |
| ngspice / KiCad-Simulator | Desktop, SPICE | vollständig quelloffen, in KiCad integriert | frei (OSS) |
| QSPICE | Desktop, SPICE | neuer, schnell | frei [zu verifizieren] |
▶ E — Empfehlung nach Zweck: Zum Verstehen einer Grundschaltung (Teil 3) ist Falstad unschlagbar, weil man den Stromfluss animiert sieht und Bauteilwerte live ändert. Zum Dimensionieren eines realen Moduls ist LTspice oder ngspice richtig, weil dort echte Bauteilmodelle mit Toleranzen und Temperaturverhalten rechnen.
| Analyse | Frage | Anwendung im Synth |
|---|---|---|
| DC Operating Point | Wo liegen die Ruhespannungen? | Arbeitspunkte, Offsets prüfen |
| Transient (.tran) | Wie sieht das Signal über die Zeit aus? | Wellenform, Hüllkurve, Reset-Verhalten |
| AC Sweep (.ac) | Wie ist der Frequenzgang? | Filterkurven (Teil 4.2), Bode-Plot |
| Parameter Sweep (.step) | Wie wirkt sich ein Bauteilwert aus? | Dimensionierung, Toleranzanalyse |
▶ I — Die Analyse, die am meisten spart:
.step über Bauteiltoleranzen. Statt eine Schaltung mit
Idealwerten zu prüfen, lässt man Widerstände und Kondensatoren über ihre
Toleranzbänder variieren. Wenn ein Filter nur mit exakt 10,00 nF
funktioniert, aber nicht mit 9,5 oder 10,5 nF, ist der Entwurf
untauglich — das merkt man in der Simulation in Sekunden statt nach dem
Bestücken von zehn Platinen.
Die Simulation ist ein Modell, kein Ersatz für die Messung. Vier systematische Abweichungen:
Konsequenz: Simulieren, um die Dimensionierung zu klären; messen, um sie zu bestätigen (Teil 5.4).
KiCad ist eine vollständig quelloffene EDA-Suite (Schaltplan, Layout, 3D-Ansicht, Fertigungsdaten) ohne Beschränkungen bei Platinengröße oder Lagenzahl. Für dieses Buch ist es die Referenz, weil die Ergebnisse ohne Lizenzhürde weitergegeben werden können — was für Open-Hardware-Publikation (8.5) entscheidend ist.
Der Ablauf in sechs Schritten:
Diese Regeln unterscheiden ein funktionierendes von einem brummenden Modul:
| Parameter | Übliche Vorgabe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Lagenzahl | 2 (Standard), 4 (bei viel Digital) | 4 Lagen erlauben eine eigene Masselage |
| Materialstärke | 1,6 mm | Standard; 1,2 mm für Panels möglich |
| Kupferstärke | 35 µm (1 oz) | reicht für Synth-Ströme |
| Minimale Leiterbahn/Abstand | 0,15–0,2 mm | konservativ bleiben spart Ausschuss |
| Bohrungen | ≥ 0,3 mm | kleinere kosten Aufpreis |
| Lötstopplack/Bestückungsdruck | frei wählbar | Beschriftung nutzen (5.3.2) |
Dienstleister: JLCPCB, PCBWay, Aisler, Eurocircuits [zu verifizieren: aktuelle Preise, Lieferzeiten, Versand nach AT]. Für Einzelstücke sind die asiatischen Anbieter deutlich günstiger, europäische schneller und zollfrei.
▶ E — Der praktische Rat: Die erste eigene Platine sollte klein und unkritisch sein (ein Multiple, ein Attenuator). Der Lernwert liegt im Durchlaufen der Kette, nicht in der Komplexität der Schaltung.
| Plattform | Einfachster Weg | Fortgeschritten |
|---|---|---|
| AVR/Arduino | Arduino IDE | avr-gcc, PlatformIO |
| RP2040 | Arduino-Core oder MicroPython | Pico-SDK (C/C++), PIO-Assembler |
| Teensy | Arduino + Teensyduino, Audio Library | C++ direkt |
| Daisy | DaisyDuino (Arduino) | libDaisy + DaisySP (C++) |
| STM32 | STM32CubeIDE | CMSIS, HAL, bare metal |
▶ E — PlatformIO (VS-Code-Erweiterung) ist der pragmatische Mittelweg: eine Umgebung für viele Plattformen, mit Bibliotheksverwaltung und Versionskontrolle, ohne den Sprung in Hersteller-IDEs.
printf, keine wartenden Funktionen im Audio-Pfad.Ein knappes, wiederholbares Protokoll pro Modul spart bei jedem weiteren Exemplar Zeit:
Ein Projekt ist erst dann nachbaubar, wenn diese Bestandteile vorliegen:
| Bestandteil | Zweck |
|---|---|
| Quelldateien (KiCad-Projekt) | Änderbarkeit — der Kern von „offen” |
| Fertigungsdaten (Gerber, Bohrdatei) | direkte Bestellbarkeit |
| BOM mit Bestellnummern | Beschaffung ohne Rätselraten |
| Aufbauanleitung | Reihenfolge, Stolpersteine |
| Abgleichanleitung | ohne sie funktioniert kein analoger VCO |
| Panel-Dateien (SVG/DXF) | Fertigung der Frontplatte (5.3) |
| Firmware + Quellcode | bei digitalen Modulen |
| Lizenzangabe | Rechtssicherheit für Nachbauer |
Der häufigste Mangel in veröffentlichten DIY-Projekten ist die fehlende Abgleichanleitung — die Schaltung ist dokumentiert, aber ohne Kalibrierprozedur bleibt der Nachbau verstimmt.
Software-Lizenzen passen nur bedingt auf Hardware, weil Leiterplatten kein Urheberrecht im Sinne von Quellcode genießen. Etabliert haben sich:
| Lizenz | Charakter | Anmerkung |
|---|---|---|
| CERN-OHL-S | stark reziprok (Copyleft) | Änderungen müssen offen bleiben |
| CERN-OHL-W | schwach reziprok | erlaubt proprietäre Kombination |
| CERN-OHL-P | permissiv | keine Rückgabepflicht |
| CC BY-SA | verbreitet, aber für Hardware unscharf | für Dokumentation gut geeignet |
| TAPR OHL | älter | seltener geworden |
Praxis: Für die Dokumentation eine CC-Lizenz, für die Hardware-Quelldateien eine CERN-OHL-Variante, für Firmware eine Software-Lizenz (GPL/MIT/Apache). Diese Aufteilung ist in der Szene üblich und rechtlich sauberer als eine Einheitslizenz.
▶ I — Reproduzierbarkeit prüfen: Der Test einer Veröffentlichung ist nicht, ob sie vollständig aussieht, sondern ob eine dritte Person allein damit ein funktionierendes Modul bauen kann. Wer die Möglichkeit hat, lässt genau das einmal jemanden versuchen, bevor er das Projekt als fertig bezeichnet.
Nachschlageteil. Kein Lesekapitel, sondern Referenz: kanonische Grundschaltungen, Fehlersuchbäume, Glossar und ein kuratiertes Projektregister. Alle Verweise führen zurück in die erklärenden Kapitel.
Die wiederkehrenden Grundschaltungen als kompakte Referenz. Jede ist im genannten Kapitel hergeleitet; hier stehen nur Zweck, Kernformel und Stolperstein.
| Schaltung | Kernformel | Stolperstein |
|---|---|---|
| Impedanzwandler | V = 1 | für gepufferte Multiples, EG-Ausgang |
| Nichtinvertierend | V = 1 + Rf/R1 | V immer ≥ 1 |
| Invertierend | V = −Rf/R1 | virtuelle Masse am −Eingang |
| Summierer | Uout = −Rf·Σ(Ui/Ri) | CV-Mixer DC-koppeln! |
| Integrator | dUout/dt = −Uin/(RC) | 10-M-Widerstand gegen Drift |
| Komparator + Hysterese | UHyst = Uout·R1/(R1+R2) | ohne Hysterese Prellen |
Zweck: lineare CV → exponentielle Frequenz (1V/Okt). Kern: IC = IS·e^(UBE/UT); Eingangsteiler auf ~17,9 mV/Okt; Matched Pair; Tempco +3300 ppm/K thermisch gekoppelt. Stolperstein: ohne Tempco und thermische Kopplung driftet das Tracking; Summierpunkt niederohmig halten.
Zweck: spannungsgesteuerte Frequenz. Kern: f = IC/(C·ΔUSchwelle); Integrator lädt, Komparator setzt zurück; Sägezahn primär, Rest abgeleitet. Stolperstein: Reset-Geschwindigkeit begrenzt die Höchstfrequenz; Hi-Freq-Trim.
Zweck: spannungsgesteuerte Klangfarbe. Kern: fc = 1/(2πRC) je Stufe; Resonanz durch Rückkopplung; Selbstoszillation bei hoher Resonanz. Stolperstein: OTA-Eingang übersteuert → Klirr; Cutoff-Tracking braucht Exp-Konverter.
Zweck: spannungsgesteuerte Lautstärke. Kern: Iout = gm·Uin; gm ∝ IABC; linear (Modulation) vs. exponentiell (Lautstärke). Stolperstein: Control-Feedthrough → Klick; Eingangsteiler gegen Klirr; Offset trimmen.
Zweck: zeitlicher Verlauf. Kern: U(t) = UZ(1−e^(−t/τ)), τ = RC; Umschaltung bei ~95 %. Stolperstein: Puffer mit kleinem Bias-Strom; Folienkondensator; Sustain ist Pegel, keine Zeit.
| Schaltung | Kern | Kapitel |
|---|---|---|
| Attenuverter | OpAmp, Poti zwischen inv./nichtinv. | 4.7.2b |
| Slew Limiter | RC + Puffer, getrennte Rise/Fall | 4.7.2e |
| Sample & Hold | CD4066 + Haltekondensator + FET-Puffer | 4.7.2f / 3.4.2 |
| Ringmodulator | AD633 (4-Quadranten) oder Diodenring | 4.7.2h |
| Rauschquelle | Zener/Transistor + hohe Verstärkung | 4.6.2 |
Halbiere den Signalweg (5.4.2). Versorgung zuerst, dann Signalverfolgung von der Mitte aus, dann Sichtprüfung, dann Bauteile einzeln.
Kein Ton
├─ Rails vorhanden? (DMM an IC-Pins)
│ ├─ nein → Verpolung? Sicherung? Netzteil? Kurzschluss?
│ └─ ja ↓
├─ VCO schwingt? (Oszilloskop am VCO-Ausgang)
│ ├─ nein → Timing-C? Reset-Schalter? Versorgung am VCO-IC?
│ └─ ja ↓
├─ Signal kommt durch VCF? (Ein-/Ausgang vergleichen)
│ ├─ nein → Cutoff ganz zu? OTA-Versorgung? Verdrahtung?
│ └─ ja ↓
├─ VCA öffnet? (Steuerspannung am VCA prüfen)
│ ├─ nein → EG liefert CV? Gate kommt an? Offset?
│ └─ ja ↓
└─ Ausgangsstufe? (Pegel, Koppel-C, Buchse)
| Symptom | Wahrscheinlichste Ursachen (Reihenfolge) |
|---|---|
| Kein Ton | Versorgung → VCO steht → VCA geschlossen → Verdrahtung |
| Verstimmt / schlechtes Tracking | Tempco fehlt → Paar nicht gekoppelt → Scale-Trim → passives CV-Splitten (1.3.2) |
| Läuft warm weg | Tempco/thermische Kopplung → Aufwärmzeit abwarten (4.1.4) |
| Klick bei Tönen | Control-Feedthrough → Attack zu steil → DC-Offset (4.3.5) |
| Brummen (50/60 Hz) | Masseschleife → Abblockung → Netzteil-Nähe → Schirmung (1.5) |
| Zirpen/digitales Geräusch | Digital-/Analogmasse nicht getrennt → Abblockung (7.5.2) |
| Rauschen | Gain-Struktur → hochohmige Knoten → OTA-Teiler (1.5.3) |
| Lange EG-Zeiten unerreichbar | Puffer-Bias-Strom → Elko statt Folie → Leckstrom (4.4.5) |
| S&H driftet | Puffer-Bias → Haltekondensator → Schalter-Reststrom (3.4.2) |
| VCA schließt nicht | Offset-Trim → CV erreicht 0 V nicht (4.3.7) |
| Filter oszilliert unkontrolliert | Resonanz-Rückkopplung → Phasenlage (4.2.7) |
In der Reihenfolge ihrer Wahrscheinlichkeit: Lötfehler → falscher Bauteilwert bestückt → Bauteil verpolt/falsch orientiert → Verdrahtungsfehler → Schaltungsfehler → defektes Bauteil. Das defekte Bauteil ist die seltenste Ursache — wer zuerst dort sucht, verliert Zeit.
| DE | EN | Kurzdefinition |
|---|---|---|
| Steuerspannung (CV) | control voltage | Spannung, die einen Parameter steuert (1.4) |
| 1 Volt pro Oktave | 1 volt per octave | Standard: +1 V → doppelte Frequenz (1.4.2) |
| Gate | gate | Zustandssignal „Taste gedrückt” (4.4.1) |
| Trigger | trigger | kurzer Impuls beim Anschlag (4.4.1) |
| Hüllkurve | envelope | zeitlicher Verlauf einer Steuerspannung (4.4) |
| Transkonduktanz | transconductance | Strom-pro-Spannung, gm (2.3.4) |
| Selbstoszillation | self-oscillation | Filter schwingt bei hoher Resonanz (4.2.6) |
| Tempco | tempco | temperaturkompensierender Widerstand (3.3) |
| Matched Pair | matched pair | gepaarte Transistoren (2.2.2) |
| Slew | slew | Änderungsbegrenzung / Portamento (4.7.2e) |
| Aliasing | aliasing | Rückfaltung über Nyquist (7.3.3) |
| Nyquist-Frequenz | Nyquist frequency | halbe Abtastrate (7.3.2) |
| Attenuverter | attenuverter | Abschwächer mit Invertierung (4.7.2b) |
| Wavefolder | wavefolder | erzeugt Obertöne durch Falten (5.1.2) |
| Low-Pass Gate | low-pass gate | kombiniert VCA+Tiefpass (4.3.6) |
| HP | HP | Breiteneinheit, 5,08 mm (6.1.1) |
| Rail | rail | Versorgungsschiene, z. B. +12 V (6.1.2) |
(Vollständiges Glossar im Anhang.)
Kuratierte Einstiegspunkte in die Open-Source-DIY-Landschaft (Details und Bewertung in Teil 6.4).
Für den ersten Nachbau: - MFOS „Noise Toaster” / Lehrprojekte — dokumentiert, einsteigergeeignet. - Lunetta-Schaltungen (CD40106) — hörbares Ergebnis mit minimalen Mitteln (2.3.2).
Für einzelne Module: - YuSynth — bewährte VCO/VCF/VCA/EG-Nachbauten. - Music Thing Modular — Utilities, Turing Machine. - Befaco — offene Bausätze.
Für hybride/digitale Module: - Mutable Instruments (Code offen) — als Studienobjekt für hybride Architektur. - Daisy/Teensy-Ökosystem — für eigene digitale Module (7.2).
Zum Ausprobieren ohne Hardware: - VCV Rack — Software-Modularsystem (7.6).
[zu verifizieren] vor Veröffentlichung: sämtliche Projekt-Namen, Links, Verfügbarkeiten und Aktivitätsstatus gegen aktuelle Primärquellen (REGEL QUELLEN-SERIOSITÄT: keine Social-Media-Quellen, nur belastbare Projektseiten/Repositories).
Referenzteil. Formeln, Chip-Steckbriefe, Formatdaten und Werkzeugregister zum schnellen Nachschlagen. Alle Werte sind Richt- und Orientierungsangaben; sicherheits- oder funktionskritische Zahlen sind vor der Verwendung gegen das jeweilige Datenblatt zu prüfen.
| Größe | Formel | Bemerkung |
|---|---|---|
| Frequenz/Periode | f = 1/T | Hz ↔︎ s |
| dB (Spannung) | a = 20·log₁₀(U₂/U₁) | Feldgröße |
| dB (Leistung) | a = 10·log₁₀(P₂/P₁) | |
| Spannungsteiler | U_L = U₀·R_L/(R_i+R_L) | Impedanzanpassung |
| Thermische Spannung | U_T = kT/q ≈ 25,85 mV @ 300 K | Kern des Exp-Konverters |
| Schaltung | Formel |
|---|---|
| Nichtinvertierend | V = 1 + R_f/R₁ |
| Invertierend | V = −R_f/R₁ |
| Summierer | U_out = −R_f·Σ(U_i/R_i) |
| Integrator | U_out(t) = −(1/R C)∫U_in dt |
| Hysterese (Schmitt) | U_Hyst = U_out,pp·R₁/(R₁+R₂) |
| Größe | Formel |
|---|---|
| 1V/Okt-Kennlinie | f = f₀·2^(U_CV/1V) |
| Shockley | I_C = I_S·e^(U_BE/U_T) |
| mV pro Oktave | U_T·ln2 ≈ 17,9 mV |
| VCO-Frequenz | f = I_C/(C·ΔU_Schwelle) |
| 555 astabil | f = 1,44/((R₁+2R₂)·C) |
| Schmitt-Osz. (40106) | f ≈ 1/(2,2·R C) |
| Größe | Formel |
|---|---|
| Grenzfrequenz (1 Pol) | f_c = 1/(2πR C) |
| Übertragung (1 Pol TP) | H(f) = 1/(1 + j f/f_c) |
| Güte/Dämpfung | Q = 1/(2ζ) |
| Resonanzüberhöhung | ≈ 20·log₁₀(Q) dB (Q > 0,707) |
| Flankensteilheit | n Pole → n·6 dB/Oktave |
| Größe | Formel |
|---|---|
| Zeitkonstante | τ = R·C |
| Aufladung | U(t) = U_Z(1−e^(−t/τ)) |
| Entladung | U(t) = U₀·e^(−t/τ) |
| 1τ / 3τ / 5τ | 63,2 % / 95,0 % / 99,3 % |
| Größe | Formel |
|---|---|
| Transkonduktanz | g_m ≈ I_ABC/(2 U_T) |
| OTA-Ausgangsstrom | I_out = g_m·U_in |
| S&H-Droop | dU/dt = I_leck/C |
| LED-Vorwiderstand | R = (U_V − U_LED)/I_LED |
| Größe | Formel |
|---|---|
| Nyquist | f_s > 2·f_max |
| Aliasing | f_alias = |
| DAC-Auflösung | Schritt = Bereich/2^Bit |
| Cent pro Schritt | (Schritt[V]/1V)·1200 |
| BBD-Verzögerung | t_d = N/(2 f_clk) |
| Puffer-Latenz | t = Puffergröße/f_s |
| Biquad | y[n]=b₀x[n]+b₁x[n−1]+b₂x[n−2]−a₁y[n−1]−a₂y[n−2] |
| Größe | Formel |
|---|---|
| Rail-Summe | I_ges,Rail = Σ I_i,Rail (Rails getrennt) |
| Reserve | I_nutzbar = I_Netzteil·(1 − Reserve%) |
| HP-Breite | Breite[mm] = HP·5,08 |
[zu verifizieren] vor Veröffentlichung: aktuelle Verfügbarkeit, Nachbaubezeichnungen und Bezugsquellen jedes Chips gegen Datenblatt und Distributor.
| Chip | Funktion | Kernwert | Hinweis |
|---|---|---|---|
| NE555 / TLC555 | Timer astabil/monostabil | f=1,44/((R₁+2R₂)C) | CMOS-Variante (TLC/7555) störärmer |
| CD40106 | 6× Schmitt-Inverter | Hysterese intern | 1 Osz. je Inverter, DIY-Liebling |
| CD4066 | 4× analoger Schalter | R_ON ~80–300 Ω | Reset/Routing/S&H |
| CD4046 | PLL | R/C-VCO intern | Frequenzvervielfachung, Sync |
| CD4040/4024 | Binärteiler | ÷2^n | Oktavreihen, Top-Octave |
| CD4013 | D-Flipflop | EG-Zustandslogik | |
| CD4015/4006 | Schieberegister | LFSR-Rauschen |
| Chip | Funktion | Kernwert | Hinweis |
|---|---|---|---|
| TL072 / TL074 | Dual/Quad OpAmp, JFET | Slew 13 V/µs | DIY-Standard, gut für CV |
| LM13700 | Dual OTA + Puffer | g_m=I_ABC/(2U_T) | Herz von VCA/VCF; Eingangsteiler zwingend |
| CA3080 | Single OTA | Vorgänger; Nachbau AS3280/V3280 | |
| THAT2180 / V2164 | Blackmer/Current-VCA | dB-linear | Studio/Poly, sehr sauber |
| AD633 | 4-Quadranten-Multiplizierer | Ringmodulator |
| Original | Funktion | Nachbau | Hinweis |
|---|---|---|---|
| CEM3340 | VCO | AS3340 / V3340 | Saw/Tri/Puls, Sync, interner Tempco |
| CEM3320 | VCF | AS3320 / V3320 | 4-Pol, spannungssteuerbar |
| CEM3360 / SSM2164 | Dual VCA | AS3360 / V3360 | |
| CEM3310 / SSM2056 | EG | AS3310 / V3310 | spannungssteuerbare Zeiten |
| SSM2044 | VCF 4-Pol LP | V2044 |
| Chip | Funktion | Hinweis |
|---|---|---|
| MN3005/3007/3207 | Eimerkette (BBD) | analoges Delay/Chorus; Nachbau V-Serie |
| MN3101 | BBD-Takt | |
| NE570/571 | Kompander | gegen BBD-Rauschen |
| THAT300/320 | Transistorarray | Matched Pair für Exp-Konverter |
| Bauteil | Einsatz |
|---|---|
| 1N4148 | Kleinsignal, Logik, Clipping |
| 1N5817/5819 | Schottky, Verpolungsschutz |
| BC547/BC557 | NPN/PNP Universal |
| J201 / 2N5457 | JFET, steuerbarer Widerstand |
| 7812/7912, LM1117 | Spannungsregler |
[zu verifizieren] gegen die Doepfer-A-100-Primärquelle.
| Größe | Wert |
|---|---|
| Höhe (Panel) | 128,5 mm (3 HE) |
| Breite | HP × 5,08 mm; Case-Reihe meist 84 oder 104 HP |
| Befestigung | M3, Ovallöcher |
| Tiefe | nicht genormt — vor Kauf prüfen |
| Schiene | Zweck |
|---|---|
| +12 V | analoge Positiv-Rail |
| −12 V | analoge Negativ-Rail (roter Streifen des Flachbandkabels!) |
| GND | Masse (mehrere Pins) |
| +5 V | Digital-Rail — nicht immer vorhanden |
| CV/Gate | optionaler Bus (kaum genutzt) |
| Signal | Bereich |
|---|---|
| Audio | ±5 V (10 Vpp) |
| CV unipolar | 0…+8 V (bis +10 V) |
| CV bipolar | −5…+5 V |
| Tonhöhe | 1 V/Oktave |
| Gate/Trigger | 0 V / +5 V (Schwelle ~1–2,5 V) |
| Ausgang R_i | ~1 kΩ |
| Eingang R_in | ~100 kΩ |
[zu verifizieren] aktuelle Versionen, Lizenzen, Verfügbarkeit.
| Werkzeug | Zweck | Lizenz |
|---|---|---|
| Falstad Circuit Simulator | Lernen, Anschauung | frei, Browser |
| LTspice | SPICE, genau | frei (proprietär) |
| ngspice | SPICE, quelloffen | OSS |
| KiCad | Schaltplan+Layout+Fertigung | OSS |
| QSPICE | SPICE, neu | frei [z.v.] |
| Werkzeug | Plattform |
|---|---|
| Arduino IDE / PlatformIO | AVR, RP2040, Teensy, Daisy, STM32 |
| Pico SDK | RP2040 (C/C++, PIO) |
| Teensy Audio Library | Teensy |
| libDaisy + DaisySP | Daisy |
| STM32CubeIDE | STM32 |
| Werkzeug | Zweck |
|---|---|
| VCV Rack | virtuelles Eurorack, Lernen & Entwurf (7.6) |
[zu verifizieren] Preise, Lieferzeiten, Versand nach AT.
| Dienstleister | Typ |
|---|---|
| JLCPCB, PCBWay | PCB (günstig, Asien) |
| Aisler, Eurocircuits | PCB (EU, schnell) |
| Thonk, Befaco, Modular Addict | Bausätze/Bauteile |
| Reichelt, Mouser, Digikey, TME | Bauteile allgemein |